Mag sein, dass ich da etwas altmodisch bin!
Aufgrund der “fleissigen Selbstpromotion” dürfte rXaXpXe vielen Lesern vom Namen her bekannt sein, aber an tieferen Einblicken hingegen mangeln es be- stimmt, weshalb dieses Interview längst überfällig war!
RaF: Nach dem Erscheinen von “Droning Disdain” über Tosom sind einige Kubikmeter Wasser in den Bodensee geflossen – Wie schaut es mit Resonanzen aus? Aus- schließlich positiv oder gemischt? Gab es nicht nachvollziehbare Ver- risse?
rXaXpXe: Ja, seit Juni ist tatsächlich schon einige Zeit vergangen. Die Resonanzen sind soweit eigentlich erstaunlich positiv ausgefallen. Zumindest was die Musik angeht, waren sich die meisten Rezensenten recht einig. Über die Titel/ Artwork- Kombination konnten sich einige Leute allerdings wunderbar aufregen, was aber natürlich abzusehen und auch gewollt war. Eigentlich sind sowohl Musik, als auch die grafischen Komponenten ja absolut nicht für ein breites Spektrum an Liebhabern gedacht.
RaF: “Droning Disdain” von rXaXpXe war ein sehr ergiebiges Thema im “kt”! Heißt, eine gewisse Fangemeinde muss bestehen. Magst Du vielleicht einschätzen wie groß der Kreis Derer ist, die sich rXaXpXe reinziehen? PS: Liegen Verkaufszahlen von Tosom vor, die unsere Meßungen bestätigen?
rXaXpXe: Von Tosom habe ich diesbezüglich noch keine Daten. Natürlich freut es mich, dass das Review im kt offensichtlich für Aufsehen gesorgt hat. Von einer Fangemeinde würde ich allerdings wirklich nicht sprechen. Es gibt einen recht kleinen Kreis an Leuten, die sich wirklich seit Jahren jedes Release kaufen und mitunter auch recht fanatisch sind. Dies beschränkt sich aber auf einen relativ überschaubaren Zirkel. Auch aus diesem Grund hat mich das offensichtlich bestehende Interesse eigentlich eher überrascht.
RaF: Im Nachhinein fallen Künstlern immer Schwächen an ihren Alben auf – Was würdest Du noch gerne an “Droning Disdain” verändern bzw. überarbeiten wollen?
rXaXpXe: Auch wenn Tosom das Album optisch wirklich gut und nach meinen Vorstellungen umgesetzt hat, hätte ich es doch ganz gerne auf Vinyl gesehen. Dies war aber leider trotz vieler Bemühungen nicht möglich. Musikalisch bin ich mit dem Album nach wie vor sehr zufrieden. Die Songs dafür wurden über einen recht langen Zeitraum arrangiert, was die inhaltlich musikalische recht große Spannweite erklärt. Manche Songs würde ich heute vielleicht anders arrangieren und die Vocal-Performance ein wenig anders angehen. Nichtsdestotrotz ist “Droning Disdain” meiner Meinung nach das musikalisch bisher ausgereifteste Release geworden, auf das auch mit Abstand die meiste Arbeit verwendet wurde.
RaF: Vor “Droning Disdain” sah der Sound von rXaXpXe noch etwas anders aus & sprach vornehmlich die Goregrindfans an. Wieso erfolgte eine Abkehr davon, hin zum gepflegten Old School Industrial? Bleibt es beim neu eingeschlagenen Weg oder besteht die Rückfallgefahr zu alten Tagen?
rXaXpXe: Den Vergleich mit dem Grind-Genre gab es tatsächlich von Anfang an und er war immer sehr befremdlich für mich. Tatsächlich hat und hatte rXaXpXe nie etwas mit Grind zu tun, außer dass ich auch in Grind-Projekten aktiv bin und mit Intestinal Disgorge auch einmal eine Split-CD mit einer Grind-Band erschienen ist. Ansonsten war rXaXpXe immer ein rein elektronisches Projekt, das mit Grind an sich eigentlich keine Gemeinsamkeiten aufweist. Ich denke, dass der Hauptunterschied zwischen “Droning Disdain” und den ganzen vorherigen Releases der ist, dass der Sound auf letzteren etwas beat-orientierter und auch schneller war. Dazu kamen natürlich diese hysterischen Vocals, die vielleicht den Einen oder Anderen an das Grind-Genre erinnert haben können. “Droning Disdain” zeichnet sich im Gegensatz dazu durch einen wesentlich vielschichtigeren Sound aus, der dann auch eher in die Industrial-/ Power Electronics-/ Drone-Schiene eingeordnet werden könnte, trotzdem aber ähnliche Vocals wie die früheren Releases hat. Einen “Rückfall” wird es definitiv nicht geben. Schon allein aus dem Grund, dass seit jeher jedes rXaXpXe-Release einen gänzlich anderen Sound hatte als das vorangegangene und das nachfolgende. Dass dies auch in Zukunft so sein wird, betrachte ich als ein Qualitätsmerkmal. Der genaue Klang ist bei jeder Veröffentlichung abhängig von meinen momentanen musikalischen Präferenzen, die sich ständig ändern. Alles andere würde ich als Stagnation, wenn nicht gar als Rückschritt betrachten. Projekte, die sich ständig selbst kopieren und immer langweiliger, abgedroschener und berechenbarer werden, gibt es schon zu viele.
RaF: Ich denke die Entstehungsgeschichte von rXaXpXe dürfte den wenigsten Lesern geläufig sein – mit Bitte um Aufklärung! Welche Bands beeinflussten maßgeblich die “ersten Stunden” von rXaXpXe? Muss rXaXpXe als völlig alleinstehendes Projekt angesehen werden, oder existieren ähnliche bzw. völlig abweichende Seitenprojekte?
rXaXpXe: Die Entstehungsgeschichte ist reichlich unspektakulär. Ich begann als rXaXpXe 2005 aufzunehmen. Musikalisch gab es zu der Zeit eigentlich keine konkreten Vorbilder, da ich allgemein nichts mit elektronischer Musik am Hut hatte. Vielmehr war der Grund für die Anfänge ein Versuch, musikalische und ästhetische Extreme auszuloten. Zusätzlich war es eine Möglichkeit, die ganz persönliche Idee und Vorstellung einer recht kollektiven Ablehnung zu vertonen und mit einem musikalisch experimentellen Charakter zu versehen, wie er in einer “Band” nicht möglich gewesen wäre. Wie bereits erwähnt, bin ich tatsächlich noch in zwei anderen Projekten aktiv. Es handelt sich aber jeweils um Bands im eigentlichen Sinne, die sich auch nur ansatzweise und sehr am Rande im elektronischen Bereich befinden.
RaF: Woher rühren die inhaltlich eher wüsten Thematiken innerhalb des rXaXpXe Kosmos? Besteht Hoffnung auf Veränderung in der Zukunft?
rXaXpXe: Eine Frage, wie sie zu erwarten war hehehe. In der Tat sehe ich mich leider oft mit den Vorwürfen des Sexismus und der Intoleranz konfrontiert. Allerdings werde ich mich sicherlich weder für meine Titel, noch die Artworks, noch die Texte rechtfertigen oder sie in irgendeiner Weise kommentieren oder erklären. Deshalb sind die Lyrics auch nie abgedruckt.
RaF: War rXaXpXe immer als reines Studioprojekt gedacht? Oder bestehen Bemühungen rXaXpXe auf die Bretter, welche die Welt bedeuten, zu holen?
rXaXpXe: Ja, rXaXpXe war in der Tat immer als “Studioprojekt” konzipiert. Das liegt schon alleine daran, dass ich herzlich wenig Ahnung und auch keine Lust auf Live Electronics habe. Anfragen gab es allerdings schon häufiger.
RaF: Wer sich ehrlich mit der Industrial Szenerie auseinandersetzt, sieht entweder Kommerz oder Verfall. Wie siehst und bewertest Du diese Situation? Interessiert Dich diese Rechts Links Kiste innerhalb der Bewegung? PS: Über die Goregrind Szene müssen wir ja nicht reden, die steht glaube ich kurz vor dem endgültigen Untergang, oder?
rXaXpXe: Um es kurz zu machen: Ich halte jede Form von “Szene” für ein Kunstprodukt ohne eigentlichen Wert. Ich rechne mich zu keiner Szene und szeneinterne Debatten und Vorgänge interessieren mich dementsprechend herzlich wenig. Offensichtlich wird aber mehr über die politische Ausrichtung und die moralischen Belange eines Projektes diskutiert als über die Musik. Das ist die “Bunte” in schwarz.
RaF: Auf welche neuen Releases von rXaXpXe dürfen sich die Konsumenten in der nächsten Zeit freuen? Kommen für rXaXpXe ausschließlich Veröffentlichungen auf physikalischen Medien in Frage oder sind auch Publikationen auf Netlabels denkbar?
rXaXpXe: Es sind einige Sachen im Entstehen begriffen. Allerdings ist noch nichts davon spruchreif. Definitiv aber wird es recht bald weitergehen. So wie es momentan aussieht in erster Linie auf Tapes. Näheres kann und will ich aber noch nicht bekanntmachen. Es gab tatsächlich in der Vergangenheit schon einen Collaboration-Track mit Intestinal Disgorge namens „Standing Naked Outside Her Window“ mit knappen 10 Minuten Länge, der nur als kostenloser Download angeboten wurde. Für ein Album könnte ich mir diese Praxis allerdings nicht vorstellen. Das Argument, dass die Songs dann eine größere Verbreitung finden würden und der Promotion-Effekt dementsprechend höher wäre, halte ich persönlich auch für Quatsch. Zum einen ist jedes Album auch als physisches Release schon wenige Tage nach Release irgendwo zum freien Download zu bekommen. Zum anderen denke ich, dass man ein Album erst dann richtig wertschätzen kann, wenn es zu Hause im Regal steht und die optischen Effekte dazu kommen. Mag sein, dass ich da etwas altmodisch bin.
RaF: Träume sind nicht immer Schäume! Wie schauen die realistischen Träume im Bezug auf rXaXpXe aus?
rXaXpXe: Die Träume sind recht bescheiden und bestehen im Wesentlichen darin, dass ich auch in Zukunft noch die Zeit und die Möglichkeit haben werde, mit rXaXpXe Musik zu veröffentlichen. Alles Andere wird sich zeigen.
RaF: Natürlich gehören rXaXpXe die letzten Worte – Bitteschön!
rXaXpXe: Herzlichen Dank Raphael für das Interview und von meiner Seitedie besten Wünsche für die Zukunft von kt! Infos bezüglich rXaXpXe, Hörproben und das Neueste gibt es immer auf www.rxaxpxe.de und www.myspace.com/rxaxpxe Cheers!














