Mögest Du in interessanten Zeiten leben!
VÖ: 2011 Label: Topeth Prophet/ Silken Tofu
Genre: Feldaufnahmen, Noise, Industrial Format: CD
Asche über mein Haupt, dass Anemone Tube bisher nicht im Kulturterrorismus Erwähnung fanden, dessen neue Arbeit “Death Over China” fast ausschließlich auf Feldaufnahmen beruht, deren Ursprung in Nanjing und Shanghai liegen, welche brillant die Vergeltung von Mutter Erde gegenüber der menschlichen Rasse in Szene setzen bzw. vor Augen führen.
Mit Topeth Prophet (Israel) & Silken Tofu (Belgien) publizieren zwei renommierte Manufakturen die zwischen 2007 und 2009 entstandene Publikation “Death Over China” des in Berlin ansässigen Projektes Anemone Tube, das in einer edlen Pappverpackung, die das gewählte Thema mittels perfekt ausgesuchter Bilder eindrucksvoll vor Augen führt.
Kein anderes Land als China zeigt besser wirtschaftlichen Aufstieg (wie den daraus resultierenden Wohlstand) und gleichzeitigen Verfall, der sich an katastrophalen Menschenrechten, Zerstörung der Natur usw. widerspiegelt, welcher letztendlich im totalen Untergang (Wie er ausschaut? Keine Ahnung!) endet. Im Endeffekt kann Mutter Erde dabei zuschauen, wie wir die Menschen uns selbst ausrotten (gleich einer Art Todessehnsucht!), den alle Naturkatastrophen sind hausgemacht. “Death Over China” bildet zusammen mit dem Minialbum “Dream Landscape” (2010, Silken Tofu) den Auftakt zur “The Suicide Series”, die sich auf analytischem Realismus, buddhistischer Psychologie & nihilistische Strömungen der sich auf die Autoren Michael Haneke, Hayao Miyazaki, H.P. Lovecraft & Yukio Mishima stützt wie begründet. Passend zum Kontext erschuf Anemone Tube auch selbst ein paar Zeilen, woraus das folgende Zitat stammt:
Black Death Rise | Embrace Me With Your Arms | Derift With Me, Dive With Me | Obscure Me From The Sun | Bear Me Away | Into Your Saturnine Silence
Black Death Rise | Devour Me With Your Haze | Fuck With Me, Thrive On Me | I Shall Forever Invoke | Deathly Kingdom Of Desire | You Sustain The Life In Me | Black Death Rise
Insgesamt eine spannende Thematik, deren Anfänge meiner Ansicht nach im alten Rom liegen, das eine ähnliche Entwicklung durchmachte wie Deutschland (Wir sind im letzten Stadium Dekadenz und Verfall) aktuell, welche irgendwann auch auf China zutrifft, die sich im Gegensatz nur rasanter wie extremer selbst hinrichten.
Aus musikalischer Sicht präsentieren Anemone Tube mit „Death Over China“ einen sperrigen Industrial/ Noise Soundtrack, der zu 99% aus verfremdeten Feldaufnahmen besteht, wodurch den Konsumenten ein fiktiver Spaziergang (basierend auf Originalgeräuschen) durch die Städte Nanjing & Shanghai erwartet, welcher unverblümte Einblicke in die dort vorherrschenden Zustände gibt, die im Kopf einen schleichenden Tod versinnbildlichen. Vor allem die große Bandbreite an unterschiedlichen Sprach- wie Tonsamples machen aus diesem erdrückenden Opus ein Licht für Freunde der anspruchsvollen Geräuschwelten, aber auch für Industrial- wie Noise Fetischisten, zu deren Favoriten besonders Formationen aus den Häusern Malignant Records & Tesco zählen. Wer nur die absoluten Schmankerl der Szenerie sammelt, kommt um den Kauf von “Death Over China” (limitiert auf 731 Exemplare) nicht umher, das alleine aufgrund seiner Ausdruckskraft (welche total vereinnahmt) zu den Anwärtern auf die “Platte Jahres 2011″ zählt.
Fazit:
Individuen, die nach einer Vertonung des schleichenden Endes der Welt suchen, sollten sich dieses Meisterwerk “Death Over China” von Anemone Tube faktisch nicht entgehen lassen – meine absolute Empfehlung. PS: “Mögest Du in interessanten Zeiten leben.” heißt ein chinesisches Sprichwort, das bis zum letzten Tag, wo wir uns selbst vernichtet haben, gültig behält!















