VÖ: 2011 Label: Eigenvertrieb
Genre: Electro, Pop Format: CD-R
Unangepasstheit führt oft die Karriereleiter nicht nach oben, aber spricht für die eigene Klasse, die Artistic Sound auch auf ihrem letzten Werk “North of where I’m now” vermitteln, das meines Dafürhaltens nach die Osnabrücker Tina von Garrel & Streetman auf ihrem Zenit zeigt.
Artistic Sound sprechen selbst von einer New Romantic Offensive, welche anspruchsvollen Pop zutage fördert, der Mehrheiten zu komplex und eigensinnig sein dürfte, weshalb “North of where I’m now” wie vorangegangene Werke im Eigenvertrieb erscheint – Schade, aber sofort wenn Individualität ins Spiel kommt, sind Labels oft verschreckt, denen es durch die Bank nur noch um Gewinnmaximierung geht, wodurch sie sämtlichen Idealismus und Kunstgedanken mit Füßen treten.
Leider schleicht im deutschsprachigen Pop die inhaltliche Niveaulosigkeit umher, weshalb zwischenmenschliche Probleme und Gefühlsduseleien im Vordergrund stehen, obwohl auf der Welt wesentlich wichtigere Probleme existieren, welcher sich Artistic Sound mit Kindesmissbrauch, Vergewaltigung usw. annahmen, aber auch Liebe, Verlust & Trauer kommen in ihren Texten vor, bloß nicht in kitschiger Plattheit, sondern in Form von berührenden Texten wie der Hintergrundgeschichte zu “North of where I’m now”:
March, 18th 1991. A young girl was found unconscious by the police. The situation was very strange. Not knowing her name or origin she had several cuts on her arm combined with self-made paintings all over her body. A radio beside her played one song on repeat but it stopped immediately when they tried to help her.No suspect, no crime scene. Just a few flowers looked like a wreath or something like that. In her hand she clutched a piece of paper with the following words:
Someday, there will be a man,
that loves me for being who I am.
Someday, there will be the right one for me,
the one that makes me laugh, when I want to cry.
The one, that catches me, when I fall.
The one, that keeps me close, when I want to run.
The one, that stands by my side, when I feel lonely.
The one, that makes me happy, when I am sad.
The one, that kisses me, when I talk too much.
The one, that sits beside me, when I am alone.
The one, that kicks my ass, when I want to give up.
The one, that I deserve…
Is that you I saw north of where I´m now?
She was unconscious for twenty years. It was only last week, after this long time period she regained conciousness and asked for the man she left twenty years before.
They told her that this man has to be her soul, her longing, her loneliness.
Yesterday she passed away with her last words:
An angel took me back to the place I saw him
To Cageland
North of where I´m now
Wer nach anspruchsvollen Themen mit Tiefgang verlangt, wird Artistic Sound vermissen, deren Inhalte auch auf ihrem letzten Oeuvre “North of when I’m now” vollends zu überzeugen wissen!
In Punkto Tonkunst zelebrieren Artistic Sound melancholischen Electro-Pop, der über komplexe Strukturen verfügt und vor allem durch die charismatische Stimme von Tina von Garrel lebt, die von ihrer Klangfarbe her sehr rau, dunkel wie kraftvoll klingt, das den einzelnen Liedern viel Ausdruckskraft, Tiefe und Nachdruck verleiht. Zudem glänzen alle Songs durch vielschichtige Arrangements, wo die Osnabrücker einen melodiösen Mix aus synthetischen und organischen Spuren erstellten, welche zu keiner Zeit Langeweile aufkommen lassen, sondern formidables Kopfkino auslösen, das nachhaltig zum Denken anregt, wenn sie/ er sich Artistic Sound wirklich hingibt. Insgesamt eine durchweg gelungene Veröffentlichung, wovon man sich faktisch mehr wünscht, aber absolute Eigenständigkeit ist nicht angesagt, weshalb sie immer mehr verschwindet und wir irgendwann komplett in Chartmüll ertrinken!
Auch nach dem x-ten Hördurchlauf konnte ich mich auf keinen expliziten Anspieltipp festlegen, den alle Tondokumente auf “North of where I’m now” mögen auf ihre Art & Weise mitnehmen & begeistern – eine wahnsinnige Leistung!
Fazit:
Schade, dass sich Artistic Sound mit “North of where I’m now” von der Bildfläche verabschieden, den mit diesem Meisterwerk wähnen sich Tina von Garrel und Streetman auf dem Zenit – meine absolute Empfehlung! PS: Bleibt zu hoffen, dass sich das Duo schnell zu einer Reunion entschließt!
















