VÖ: 2004 Label: Heidenvolk
Genre: Neofolk, Darkfolk, Experimentell
Die letzte Veröffentlichung “Herbstgewölk” von Darkwood war meiner Ansicht nach, schon sehr ausgefeilt arrangiert worden und wurde von mir mit einer sehr guten Review bedacht. Dieses neue Werk “Lapsis” wurde in Zusammenarbeit mit Chaos as Shelter eingespielt, die ein experimentelles Nebenprojekt von Agnivolok sind, was den meisten Lesern mehr sagen dürfte.
Was ich persönlich sehr an Darkwood schätze, ist die Eigenständigkeit der verwendeten Themen für ihre Publikationen. Wo andere Projekte immer noch in heidnisch, völkischen Texten (Barbarossa) herumspringen oder immer wieder die Schwarze Sonne anbeten (ich kann diese Texte über die schwarze Sonne nicht mehr hören oder lesen) – widmen sich Darkwood auf ihren Werken wesentlich interessanteren Themen.
Diese Arbeit “Lapsis” beschäftigt sich thematisch mit den Forschungen des Arztes, Pharmazeuten, Naturforschers, Philosophen, Astrologen und Theologen Paracelsus ( richtiger Name: Theophrastus Bombastus Philippus von Hohenheim) der in Zeit von 1493 bis 1541 gelebt hat und in der Schweiz geboren ist. Um Euch den Lesern die Bedeutung des Schaffens und Handelns des Paracelsus zu verdeutlichen – habe ich Euch hier einen kleinen geschichtlichen Abriss seines Lebens und ein paar Weisheiten zusammengestellt.
Noch heute ist uns Paracelsus bekannt als Patron und Namensgeber von Apotheken, Drogerien, Krankenhäusern, Heil- & Kräutermixturen & auf Medaillen für verdiente Ärzte. Paracelsus studierte von 1512 – 1516 Medizin in Ferrara (Italien) und promovierte dort zum Dr. med. – die Universität gibt es heute noch und pflegt das Andenken an Paracelsus. Nach seinem Studium war er Wanderarzt und Wundarzt in Kriegen, bis er sich 1524 als Arzt in Salzburg nieder ließ, 1527 wurde er der Stadtarzt in Basel, wo er auch Vorlesungen gehalten hat, nicht nur wie vorgeben in lateinisch sondern für die damalige Zeit revolutionär in der deutschen Sprache – die Ärztekollegen, Apotheker und der Rat der Stadt verspotteten ihn für sein Aufbegehren gegenüber der Obrigkeit. Seine wohl bekannteste These hat heute noch Gültigkeit: “Die Menge macht das Gift (Dosis facit venenum).” Im Jahre 1541 kam Paracelsus zurück nach Salzburg und verstarb, seine Gebeine werden seit 1752 in der Vorhalle der Sebastiankirche aufbewahrt. Als Philosoph hat Paracelsus es geschafft den Pantheismus der Mystik des Mittelalters mit zeitgenössischer Philosophie zu verbinden. Dieser Satz: “Philosophie ist nichts anderes als unsichtige Natur, Natur nichts anderes als sichtige Philosophie.” des Philosophen ging in die Geschichte ein. Paracelsus war sehr gottesfürchtig und nannte daher die aus den drei in ein chemisches Gleichgewicht zu bringenden Essenzen entstehende Grundkraft des Menschen Archeus. Archeus entspreche der Allmacht Gottes, dem Vulcanus. Direkt auf beobachtbare Lebensvorgänge, vom Samen bis zum reifen und wieder absterbenden Organismus, vom Menschen bis Gott, in den er sich hineindenkt, kann diese Übereinstimmung an bestimmten Signaturen erkannt werden. Makrokosmos und Mikrokosmos erhellen sich als Licht Jesu Christi. Im Himmel und in der Natur ist nichts, was nicht zugleich im Menschen wäre.
Dies soll als kleiner geschichtlicher Ausflug reichen, wenden wir uns nun wieder der Veröffentlichung “Lapsis” von Darkwood & Chaos as Shelter zu. Henryk Vogel – genialer Kopf von Darkwood, hat zu dieser Veröffentlichung fast alle Texte selbst erstellt, besonders gefallen mag der Text von Paul Friedrich zu dem Lied ‘Xanthosis’. Alle Texte sind in der deutschen Sprache verfasst worden und beschäftigen sich mit sehr mystischen Themen, die auch schon von Paracelsus beschrieben wurden. Die Darkwood Opera sind musikalisch immer sehr abwechslungsreich arrangiert worden, Henryk hat einen Teil der Stücke komponiert und zum Großteil auch eingespielt. Die Tondokumente der “Herbstgewölk” waren ja schon recht dunkel und erschlagend, aber was er gemeinsam mit Chaos as Shelter auf dieser Veröffentlichung musikalisch abgeliefert hat, ist wie eine dunkle Dampfwalze, die über den Hörer hinweg fährt. Der andere musikalische Kopf hinter dieser CD ist Vadim Gusis von Chaos as Shelter, der mit Instrumenten wie Didgeridoo und der Zweihandsäge dem Album den letzten Kick gibt. Fast alle Songs hat Vera Agnivolok von Chaos as Shelter mit ihrer wunderbaren Stimme eingesungen, außer Track 4 der von Helena Dorsht gesungen wurde, die im Hintergrund von Henryk Vogel Begleitung findet. Vera Agnivolok ist nicht nur eine begnadete Sängerin sondern auch eine hervorragende Malerin / Künstlerin – sie hat bis auf ein Bild alle Bilder in diesem hervorragend gestaltetem Digipack gemalt. Hier einen Anspieltipp ausfindig zu machen gestaltet sich für mich recht schwierig, ich sehe alle Songs als ein Gesamtkunstwerk an und von daher empfehle ich nicht irgendeinen Track, sondern die ganze CD und das mit gutem Gewissen.
Die Kollaboration zwischen diesen beiden Projekten hat hervorragend funktioniert, das Ergebnis ist ein kleines Meisterwerk, wo sich viele Hörer über ein Nachfolgewerk bestimmt freuen würden. Dieses Experiment ist gelungen, bloß bin ich mir sicher, dass gewisse andere Projekte damit keinen Erfolg gehabt hätten. Es gibt halt Projekte die mit experimentellen Elementen umgehen können und andere sollten davon besser die Finger lassen.
Fazit:
Für mich gehört die CD “Lapsis” von Darkwood & Chaos as Shelter zu den drei besten Veröffentlichungen im Bereich Neofolk / Darkfolk im Jahre 2004. Wer keine experimentellen Einflüsse in Veröffentlichungen mag, sollte hiervon dringend Abstand nehmen. Wer aber die Abwechslung liebt, sollte hier unbedingt zugreifen und sich ein Exemplar für seine Sammlung sichern. Ich freue mich jetzt schon auf die nächste Veröffentlichung von Darkwood, hoffentlich muß ich nicht solange warten – ein großer Fan! Danke!
















