DBPIT & XxeNa, Fecalove, Les Mistons, Massimo Croce – Reuse, Recycle, Remix

Wiederverwertung, Vermischung, Aufarbeitung – das sind im Bereich der experimentellen Tonkunst Kernthemen, die in verschiedensten Ausarbeitungen immer wieder anzutreffen sind. Dabei kommt besonders dem im Vergleich zur CD noch sehr physischen, greifbaren Tonträger der Kassette eine besondere Rolle zu, bleibt diese doch heute einerseits Träger der eigenen musikalischen Vergangenheit, wie auch gütiges Experimentiermaterial samt nostalgischer Aussage – nicht umsonst hat dieses Medium in den letzten Jahren vor allem im Untergrund wieder vermehrt Verbreitung gefunden.

Ein solcher Zugang, vor allem der der Wiederverwertung, steckt auch hinter “Reuse, Recycle, Remix“, einer durch ihr Konzept sehr stark limitierten gemeinschaftlichen Kassettenveröffentlichung der vier Projekte DBPIT & XxeNa, Fecalove, Les Mistons & Massimo Croce, die unter dem Vorzeichen des italienischen Labels Gatto Alieno Veröffentlichung findet: 16 zufällig in einer alten Schublade gefundene C-60 Tapes sind die Basis der Arbeit, auf der die vier Vertretenen Projekte dann eigene, alte und vergessene Sounds neu verwerten, vermischen, aufarbeiten sollten. Stilecht werden die Tapes natürlich in recycelter Luftpolsterfolie & mit altem Papier beklebt präsentiert.

Herausgekommen sind dabei vier abstrakte wie wirre Noise-Dokumente, die sich im Grunde nicht mehr klar voneinander trennen lassen. Die Initiatoren DBPIT & XxeNa eröffnen den Reigen auf der A-Seite mit einer wabernden, mit viel analoger Manipulation bearbeiteter Melange, die leiernd und skurril aus den Boxen quillt. Das Ausgangsmaterial ist als solches noch selten identifizierbar, irgendwo ziehen alte Trompetenaufnahmen durch den Klangnebel, ebenso hört man unsichere Klavieranschläge vor einer leiernd-pulsierenden Noise-Wand; später mischen sich Sprachsamples zu den weit entfernten Trompeten, die aber durch die Sprachbarriere verschlossen bleiben; insgesamt wirkt dieses erste Stück weit entfernt, surreal, nicht wirklich greifbar.

Fecalove gehen dann etwas rabiater zu Werke: auf eine Richtung Power Electronics gereichenden Basis sind erst polternde Recordings zu hören, die schlagartig ausbrechen und dann verstummen -  gefolgt von einem stumpf-stampfenden Industrial-Rhythmus, der ebenso verstummt und von einem unterschwelligen Dröhnen abgelöst wird, dass sich langsam bedrohlich steigert und wie der Beginn mit verzerrten Stimmsamples Richtung PE tendiert, dann jedoch ohne merkbaren Höhepunkt langsam ausklingt. Insgesamt eine etwas ziellose Vorstellung, die vor allem aus ihren Kontrasten ihre Wirkung zieht.

Die die B-Seite beginnenden Les Mistrons nutzen ohrenscheinlich Instrumentalmusik als Werkstoff, meint man doch reverbte Schlagzeuganschläge zu vernehmen, die vor einer fast schon sakral erscheinenden Soundwand vor sich hinscheppern, vielleicht als Bastardpop ohne Pop beschrieben, jedoch lassen sich hier neben den üblichen Manipulationen viele Versatzstücke aus Liedern hören, die durch die insgesamt verzogene und schiefe Tonalität sehr abseitig ertönen – schick!

Wo genau der Übergang von einem zum nächsten Künstler liegt, scheint auf der B-Seite nicht ganz klar, in jedem Fall wandelt sich das Klanggut in der zweiten, wahrscheinlich zu Massimo Croce gehörende Hälfte hin zu ordentlich brutalem Harsh Noise, nimmt dann langsam in der Intensität ab und schlägt damit wieder den Bogen zum Beginn der A-Seite: man kann noch einzelne, leiernde Splitter mitsamt Schellack-Knacken hören, die sich durch das Geräuschgewirr drängen, bis das Stück in einem sehr langen, leicht manipulierten italienischen Monolog endet, der abermals ob der Sprache inhaltlich leider nicht einzuordnen ist; dem Titel wie einigen verständlichen Brocken nach handelt es sich um Aufnahmen zum Thema Raumfahrt – mehr kann der Hörer jedoch nicht identifizieren.

Fazit:

Insgesamt offenbart sich “Reuse, Recycle, Remix” als eine interessante, wenn auch recht verquere und nicht ganz einfache Veröffentlichung. Das Konzept wie auch die klangvollen Beiträge sind überzeugend, brauchen aber auch ihre Zeit, um ganz anzukommen – wie ein altes, nicht mehr funktionierendes Tape, dass man versucht, zu verstehen. Mir sagt dabei die B-Seite noch etwas mehr zu – für Noise-Anhänger mit dem Hang zu Ultra-Limitiertem und interessanten Konzepten eine Empfehlung!

DBPIT & XxeNa, Fecalove, Les Mistons, Massimo Croce Reuse, Recycle, Remix

Tracklisting: 1. alienremix 2. chance meeting on my toilet floor of a nuclear apocalypse and my cock 3. città – lenlye – uomo 4. cosmonauta II

VÖ: 2012 Label: Gatto Alieno

Genre: Noise  Format: MC

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