Es geschehen noch Zeichen und Wunder!

VÖ: 2005 Label: WKN

Genre: Neofolk, Psychedelic Rock

Zu Anfang wollte ich ohne einen Ton von “When Did Wonderland End” gehört zu haben, schon in alte Fahrwasser verfallen und Albin Julius seine üblichen 0 Punkte von meiner Seite aufbrummen ( In Abstrafungen bin ich gut, ihr hasst mich dafür? Danke!).

Bloß der erste Hörgang dieser Veröffentlichung fesselte mich so und ließ mich meine Meinung grundlegend über den Blutharsch revidieren. Ich bin begeistert, nein aus dem Häuschen, geil, cool, was sage ich, revolutionierend ist dieses Werk für die Szene ( Soll der Blutharsch mich doch bekehren?).Ja, ich liebe dieses Album – diese Worte aus meinem Munde, ich kann es nicht fassen, aber ist wahr und keine Frage, es ist pure Ehrlichkeit. In gewissen Punkten (Aussagen) werde ich mit Albin Julius sicherlich nie übereinstimmen, wenn aber seine musikalische Karriere so weiterverläuft, bin ich gerne bereit dies lobend anzuerkennen – wer weiß, vielleicht legt er seinen politischen Wahnsinn ja auch noch ab.

Wenn die “Szene” über den “Der Blutharsch” spricht, ist eigentlich immer Albin Julius in höchsteigener Person gemeint, obwohl “Der Blutharsch” seit einiger Zeit schon aus vier Personen besteht: Albin Julius (vocals, drums, percusion, harp, harmonium, piano, synth and programming), Marthynna (vocals, percussion, drums, tambourine), Bain Wolfkind (vocals, guitar, snare drum) und Jörg B. (guitar, bass guitar). Der deutlich hörbarste Gastmusiker ist der Teufelsviolinist Matt Howden aus England.

Der Opener des Album ist gutes, altes, deutsches Liedgut auf einem Glockenspiel dargeboten, zu Coverversionen von Lili Marleen kann jede Hörerin bzw. jeder Hörer stehen wie sie/ er will, diese Version ist wenigstens nicht so penetrant, wie gewisse andere Reproduktionen, die in den letzten Jahren veröffentlicht wurden. Wie immer bei “Der Blutharsch” Releases wurden den Stücken keine Namen zugeordnet, was das Schreiben einer Rezension nicht gerade einfacher macht. Das zweite Tondokument ist eine sehr gewagte Mischung aus altem Gothrock / Wave mit Violinenparts, die von Matt Howden eingespielt wurden. Das Stück mit der Nummer 3 bietet dann sehr schneidende bzw. beisende Gitarren wie zu alten Wave Zeiten, stimmlich könnte Frau oder Mann meinen, es singt der Sänger von den “The 69 Eyes”. Ein Track hat in den letzten Tagen für viel Aufregung gesorgt, es ist die Neuinterpretation des Liedes “Frostflowers” von Death In June. Klar, wer nicht über den Tellerrand hinausschauen kann und alles toll findet, was Douglas P. verbricht, muß sich dieses Stück nicht anhören, wer aber auf hervorragende Frauenstimmen steht, kommt an dieser Neueinspielung nicht vorbei. Marthynna gibt diesem Lied mit ihrer hervorragenden Stimme einen ganz neuen Charme bzw. Reiz – diese Coverversion auf ein Album zu nehmen, ist bei dieser engstirnigen “Szene” schon ein Wagnis und ist deshalb schon sehr positiv zu bewerten. Insgesamt ist dieses neue “Der Blutharsch” Werk nicht mit alten Veröffentlichungen zu vergleichen, wo sonst alles sehr elektronisch klang, ist dieses Release zum großen Teil handgemachte Musik. Ich hoffe ich konnte Euch einen kleinen Einblick über die musikalische Wandlung geben, jeden Track von “When Did Wonderland End” zubesprechen, würde absolut den Rahmen dieser Kritik sprengen.

Eine sehr verblüffende wie auch schöne Wendung in der musikalischen Karriere des Projektes. Schön finde ich ja die Reaktionen der Neofolker auf dieses Release ( wo sich gewisse Leute, mal wieder selbst disqualifiziert haben), fordern grundsätzlich Toleranz und Akzeptanz von der kompletten Menschheit für ihre Musik ein, tanzt dann aber mal einer aus der Reihe, wie es “Der Blutharsch” getan hat, ist das Geschrei groß. Ich finde es sehr gut, dass Albin Julius mit seinen Mitstreitern alte Strukturen aufgebrochen hat und neue Wege gegangen ist. Ich kann Dir nur zurufen: “Albin Julius sch… auf die “Szene” und mach da weiter, wo Du jetzt angefangen hast! Die Personen, die wirklich geistig frei sind, werden Dich und Deine Kunst erkennen ( jetzt zeigt sich mal genau wieder, wer mit Scheuklappen durch die “Szene” wandelt) – endlich hat einer den Schritt in die richtige Richtung ( Musik lebt von Innovationen!) gewagt und hat dabei gleichzeitig gewissen Damen und Herren eine ganz schöne Breitseite verpasst. Mein Dank dafür!

Fazit:

Für Neofolk-, Dark Ambient- und Martial Puristen ist dieses Werk bestimmt nicht geeignet, aber für die aufgeschlossene Hörerschaft, dürfte dieses Werk ein Pflichtkauf sein. Bitte mehr solche Veröffentlichungen, damit der Neofolk – Alltag nicht so grau und trist ist und gewisse Leute immer daran erinnert werden: “Das Musik von Innovationen / Impulsen lebt!”

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