VÖ: 2011 Label: Scorze Records
Genre: HNW Format: Mini-CD-R
Viele Musikformen suchen in ihrer Intention danach, den gefühlten emotionalen Rausch entweder selbst zu vertonen oder ihn durch ihre Wirkung zu erzeugen; HNW in seinem Wesen als rein tonal überfüllte, inhaltlich entleere Musik eignet sich durch seinen Charakter natürlich bestens, eben solchen Rausch darzustellen – ein Vorhaben, an dem sich Enorches’ “Bosco Sacro” (der “heilige Hain”) versucht.
Der Italiener PPP (Daniele Tripone) beschäftigt sich auf der via Scorze Records vertriebenen Mini-CDr mit altertümlichen Kulten, insbesondere mit dem Fokus auf eben jenen Aspekten, die den Rausch, die Epiphanie, die Erleuchtung und das außerkörperliche Erlebnis erfordern. Nacheinander beleuchten die vier Titel keltische, griechische, indische und japanische Mystik, letztere im Hinblick auf die sog. Baumkulte, die der Veröffentlichung auch ihr Covermotiv gaben.
Problematisch wird es de facto aber, wenn man versucht, Inhalt und Form zusammenzubringen, denn sticht zwar der Inhalt deutlich aus dem Gros der üblichen gewalttätigen PE- und HNW-Outputs heraus, so ist das, was Enorches hier letztendlich präsentiert, doch HNW in Reinkultur, der damit durch seine entmenschlichte Form auch inhaltlich frei interpretierbar wird. Die vier Titel, die komplett aus Gitarrenfeedbacks, Reverbs, Kontaktmikros und ähnlichem Equipment zusammengeschraubt wurden, erzeugen in ihrer knappen Spielzeit verschiedene Ausprägungen, die von zu Beginn noch in statischer Nähe scheinend bis abschließend unruhig & chaotisch reichen.
Hier zeigt sich die Krux: die Stücke bewegen soundtechnisch im bekannten HNW-Extremismus, der natürlich einerseits nicht an Wirkung verfehlt – allein die Verbindung zum Thema ergibt sich nur über die Brücke der äußeren Verpackung, nicht über den Klang selbst. Interpretiert man das Werk wiederum genau nach diesem seinen sich selbst gestellten Thema, so findet sich dann wiederum für meinen Geschmack erstaunlich wenig Ekstase – da wäre grade in dieser Stilrichtung weit mehr drin gewesen.
Fazit:
Enorches’ “Bosco Sacro” bietet in Sachen Wirkung und Klangerfahrung ein durchschnittliches, kurzweiliges HNW-Kracherlebnis, das zwar thematisch heraussticht, dem es auch nicht an Durchschlagskraft fehlt, welches aber bei der Betrachtung des Bezuges von Inhalt und Form nicht zu überzeugen weiß – Schade.
















