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Fäulnis – Gehirn zwischen Wahn und Sinn

Fäulnis-GehirnzwischenWahnundSinn2009Meisterlich von Anfang bis Ende!

VÖ: 2009 Label: Karge Welten Kunstverlag

Genre: Black Metal, Punk, Ambient

Irgendwie untergegangen in den eingehenden Veröffentlichungsfluten ist das aktuelle Release “Gehirn zwischen Wahn und Sinn” von Fäulnis, welches aufgrund seiner Qualität schon längst eine Besprechung im “kt”  verdient hätte – meine Entschuldigung für diesen Fauxpas an dieser Stelle!

Die vom Ein-Mann Projekt zum Trio gewandelte Formation Fäulnis veröffentlichte mit “Gehirn zwischen Wahn und Sinn” über den Karge Welten Kunstverlag einen Paukenschlag, der das “Zwischenspiel” in ihrer Trilogie “Verfall eines Individuums – Eine Trilogie” bildet, die schonungslos die Verrottung & Erbärmlichkeit der Gesellschaft zutage fördert, welche die Mehrheit der Weltpopulation überhaupt nicht wahrnimmt.

Im Speziellen verarbeiten die Herren auf “Gehirn Zwischen Wahn Und Sinn” die Phobie gegenüber Großstädten & ihren Spiegelbildern, die Isolation bzw. soziale Kälte schüren, wodurch unzählige Menschen an Depressionen und weiteren psychischen Störungen erkranken/ leiden. Im Gegensatz zu anderen Protagonisten des Genres warten Fäulnis mit einem innovativen Inhaltskonzept auf, welches durch Schlüssigkeit und Ausdruckskraft glänzt. Als kleinen bzw. größeren Einblick hier der Text zum Track ‘Landgang':

Grauschwerer Betonnebel und nikotingetrübte Stimmungsdepressionen. Wolkenriesen liegen über der Stadt – zerfurcht und aufgedunsen. Ich laufe durch diese alten Straßen und wie überall riecht es nach Dreck und Pisse. Mein Kopf wieder voller Störgeräusche, als diese Stadt plötzlich aufhört zu atmen. Die Meisten haben die Stadt längst verlassen, nur ihre Leichen laufen hier noch rum. Die hässliche Fresse des Zerfalls lauert in jedem Hauseingang. Eine Fäulnis befällt die Betonwüste und frisst sich fest in ihre Tiefe. Und gezüchtete Seuchen überwuchern auch den letzten Funken Leben. In deinem Stammcafe brennt nur noch ein Teelicht in der letzten Bank und selbst da sitzen schon Fremde und trinken kaltes Erbrochenes aus Porzellangeschirr. Kalt klatscht der Regen auf den Asphalt als die Straßenlaternen schon brennen. Dreckiger Schein in einer dreckigen Zeit in einer gottverdammten dreckigen Welt. Immer mehr beginnt es in meinem Kopf zu dröhnen, alles um mich herum dreht sich. Wie ein Kreisel, nur Scheiße, Schrott und ekelhaftes Scheißgefühl. Bilder kommen und gehen, manchmal bleiben sie auch und kotzen mir ins Gehirn. Und jeden Tag geht die Sonne in die falsche Richtung auf und das alte Haus stürzt ein Stück weiter ein.

Lass die Stadt doch verrotten, hier will keiner mehr leben!

Personen, die eine realistische Situationsbeschreibung des momentanen Gesellschaftszustandes verlangen, werden Fäulnis für ihre Direkt- wie Klarheit schätzen, hingegen die tumbe Masse dürfte diese Ausführungen nicht einmal verstehen bzw. hören wollen.

Musikalisch verwirklichten Fäulnis die einnehmende Thematik auf “Zwischen Wahn Und Sinn” durch ein fieses Gebräu aus melodisch geprägtem Black Metal (Gitarrenarbeit) & altem Punk (Schlagzeug), dem sie gelegentliche Ambientpassagen einpflanzten, die die vorherrschende Schlichtheit (nicht Monotonie) der Tracks aufbricht und in andere Sphären hinüberträgt bzw. lenkt. Alleine die variablen Gesangslinien (komplett in Deutsch) von Seuche geben diesem Release einen emotionalen Kick der Extraklasse, der von ersten bis zur letzten Sekunde anhält und gefangen nimmt. Besonders gefallen mag die Verschmelzung von Rohheit & Kälte auf der einen Seite und Perfektion, Kompaktheit, Melodiösität & Ausgefeiltheit auf der Anderen, wodurch das zweite Album der Trilogie “Verfall eines Individuums – Eine Trilogie” nur so vor Durchschlags- & Ausdruckskraft strotzt.

Wenn ein Oeuvre in 2009 den Stempel “Geschlossenheit” (musikalisch wie inhaltlich) verdient, dann “Zwischen Wahn Und Sinn” von Fäulnis, weshalb die Benennung eines expliziten Anspieltipps entfällt und der Rat folgt: “CD in den Schacht, Lautstärke hochdrehen, Füße hoch und Fäulnis lauschen, die dieser Welt den Marsch blassen!”.

Fazit:

Auch nach dem x-ten Hördurchlauf, weist das Meisterwerk “Zwischen Wahn Und Sinn” von Fäulnis keine Anzeichen von Langweile auf, sondern begeistert durch seine misanthropisch realistische Ader, spannende Kompositionen, Dichte, Durchschlagskraft & Ausdruckskraft, die diese Arbeit zu der Black Metal Veröffentlichungen überhaupt im Jahre 2009 machen, welche in jede gut sortierte Sammlung gehört – meine absolute Empfehlung!

Hörbeispiele und weitere Informationen zu Fäulnis findet Ihr unter folgenden Links:

http://www.myspace.com/sickblackart
http://www.sickblackart.de/
http://www.karge-welten.de/

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