Über eine Form der Trauerarbeit!
VÖ: 2009 Label: Tosom
Genre: Noise
Themenbezogener Noise nimmt seit geraumer Zeit zu und löst immer mehr Gewaltakustik ohne Sinn & Verstand ab, welche sich innerhalb der krachenden Kunstbewegung auf dem Rückzug befindet. In diese aktuelle Zustandsbeschreibung passt auch das Ein-Mann Projekt Gehirn.Implosion aus dem nördlichen Niedersachsen, welches seit 2007 zwei 7inches über Verstand Records & diese aktuelle CD-R “Allumfassender unkontrollierbarer Sog” über Tosom offenbart, die allesamt eine Bewältigungs- bzw. Schmerztherapie für den Verlust des eigenen Sohnes darstellen, der diese schöne bzw. scheußliche Welt nur wenige Tage erlebte (Mein Beileid an dieser Stelle!).
Den Tod des eigenen Kindes zu verarbeiten, stellt bestimmt eine unbeschreibliche Situation dar, welche nur Personen nachvollziehen können, die das gleiche Schicksal ereilte. Der Rest (wie meine Wenigkeit auch) kann nur erahnen, welche Gedankengänge & Schmerzen solch ein Ereignis auslöst. Trauerarbeit erfolgt in allen Fällen sicherlich in verschiedenster Art & Weise, weshalb die Noisecollagen von Gehirn.Implosion auf “Allumfassender unkontrollierbarer Sog” keine Verwunderung entfachen, sondern einfach nur die Vorgehensweise des Akteurs zeigen, um diesen einschneidenden Moment in seinem Leben für sich klar zu bekommen.
Zu 5 der 6 zu vernehmenden Tondokumente verfasste der Protagonist kleine Texte, welche natürlich dem Release beiliegen und für inhaltliche „Ausschmückung“ der Tracks sorgen, wodurch der “Krach” eine gewisse “Griffigkeit” erfährt. Die Zeilen, welche die Kernaussage der Publikation bilden, befinden sich auf der Rückseite der Verpackung und lauten:
Wir sehen uns wieder, irgendwann.
Ich weiß auch schon wo.
Bleibt zu diesem Zeitpunkt nur die Frage über, ob man sein Privatleben & seine Gefühlswelten der Öffentlichkeit zugänglich machen möchte oder nicht. Meinem Ansinnen nach, gehören solche Dinge intern in der betreffenden Familie aufgearbeitet und nicht unbekannten Menschen & Medien anvertraut, oder?
Musikalisch erlebt die interessierte Hörergemeinde mit “Allumfassender unkontrollierbarer Sog” von Gehirn.Implosion eine derbe “Hochtonnoiseplatte”, die sogförmig abwechslungsreiche Atmosphären & verschiedene Brutalitätsfaktoren offeriert, aber eigenständige Akzente & Widererkennungsmerkmale vermissen lässt, wodurch sich das ansonsten stimmige Gesamtergebnis schmälert.
Fazit:
Über die unterschiedlichen Wege der Trauerarbeit können Diskussionen entstehen, weshalb “Allumfassender unkontrollierbarer Sog” von Gehirn.Implosion aus inhaltlicher Sicht auf Ablehner & Freunde stoßen dürfte. Fans des harschen Japannoise und/ oder von Carsten Vollmer könnten diese zum Teil überlangen Darbietungen von Gehirn.Implosion gefallen, welche das Überthema hervorragend transportieren, aber zuviel allgemein bekannten Noise & zu wenig Gehirn.Implosion an den Tag legen – Schade!
Weitere Informationen zu Gehirn.Implosion unter folgenden Links:
http://www.discogs.com/artist/Gehirn.+Implosion
http://www.tosom.de
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