InsCissorS – Destin

Über neue Werke des griechischen Künstlers iNsCissorS freut man sich immer: stets wird mit jedem Werk ein durchweg hoher musikalisch-kompositorischer, durchweg konzeptioneller und auch inhaltlich hochwertiger Anspruch gehalten, der schon zuvor auf “Mnemosyne & The Structure Of Time” schiere Faszination auslöste. Die definitive Nähe zum Soundtrack wurde bereits mehrmals deutlich – da überrascht es nun kaum, das sich die beiden Herren eines solchen Annahmen und mit “Destin” den Score zum gleichnamigen Kurzfilm beisteuern.

Der von John Santerineross gedrehte Debütfilm selbst behandelt auf zyklische Art die Frage nach Schicksal und Vorbestimmtheit des Lebens: “[Destin] depicts a young girl’s realization that she has discovered her ominous destiny in life, which ends in early adulthood. It follows her emotional struggle as she strives to comprehend and accept her menacing fate.” Zwar schwimmt dieser Film dabei mit Blut und Herbst-Optik im emotional etwas seichtem Gothic-Klischee – jedoch vermag diese melancholisch-romantisierte visuelle Arbeit des Regisseurs sehr gut zu iNsCissorS’ ebenso meist verspieltem Neoklassik-Stil zu passen.

Auf “Destin” finden sich insgesamt acht Stücke, wobei der erste Titel das Originalstück darstellt, gefolgt von fünf Remix-Versionen bekannter, aus dem Projekt-Umfeld stammender Ambient-Vertreter, namentlich Hoarfrost, H.E.R.R., Raison d’Etre, Inner Vision Laboratory & Simon Kölle. Nach diesen folgen noch zwei alternative Bonusstücke ‘Autumna Sonata’ vom Album “Eros & Psyche” in der ersten Version sowie ‘The Synopsis Of Pressure’ des letzten Werkes “Mnemosyne & The Structur Of Time” in einer remasterten Version.

Das Herzstück der Veröffentlichung stellt sichtlich der Original Score dar; eben jener besteht aus einem langsam getragen Ritual-Intro, das mit hintergründigen Soundteppichen und beschwörendem Gesang den Spannungsaufbau bildet, um dann in eine rein klassische Arbeit zu münden, die auf sanften, traurigen Streichern sowie ruhig gespieltem Piano aufbaut und sich langsam zu einer klanglich nachdenklichen Melange auffüllt, die tragisch und wunderschön zugleich das Herz trifft. Akzentuiert wird das Stück durch die stimmliche Note von Angel W. Black, die in Engelschorälen das Gesamtwerk durch ihre ätherische Note zu etwas fast schon jenseitigen, in jedem Falle aber tragischen Ganzen vervollständigt.

Durchweg faszinierend sind ebenso die Remix-Varianten, in denen jeder der involvierten Projekte dem Original seinen Stempel aufdrückt. Hoarfrosts’ Variante entpuppt sich als verloren wirkende Soundcollage, in der in Störgeräuschen das Originalstück eingebettet liegt. H.E.R.R. kürzt das Stück zusammen und wendet sich einzig der klassischen zweiten Hälfte zu, um aus ihr ein heroisches Stück zu erschaffen, in dem Flöten und Marschtrommeln die Stimmung von melancholisch hin zu kraftvoll schwenken. Für Peter Andersson und Raison d’Etre könnte es wohl keine bessere Steilvorlage als diese geben: auf Basis von in der Weite hallenden Soundscapes vermischt er Überreste von Pianoanschlägen & umherwandernden Frauengesang mit der für Raison d’Etre typischen Kälte und Finesse – für mich das Highlight!

Inner Vision Laboratory entschlacken das Stück ebenso, bedienen sich fast nur der Gesänge und Klangreste, stellen diese fast isoliert ins klare Hörzentrum, was wie auch schon zuvor bei Herrn Andersson für Gänsehaut sorgt. Am stärksten ambiental und vor allem positiv gestimmt klingt dann die Variante von Simon Kölle aus, die mit vielen zusätzlichen Instrumentalaufnahmen arbeitet, und eine Vielzahl von Stimmungen in sein Stück verwebt. Die Bonusstücke hingegen sollte man auch als genau solche wahrnehmen – für Analytiker des Schaffensweges vielleicht interessant, besitzen diese für mich jedoch keinen gesteigerten Mehrwert, zumal so das geschlossene Wesen von “Destin” wieder etwas aufgebrochen wird; das wäre meines Erachtens nicht nötig gewesen.

Fazit:

“Destin” beweist abermals, das iNsCissorS mit zu den qualitativ Hochwertigstem gehört, was die Szenerie momentan hergibt. Das unterstreichen auch die Gastarbeiten der Kollaborationspartner, die ebenso durchweg überzeugen bis wahrlich beeindrucken können, insbesondere Raison d’Etre und Inner Vision Laboratory wissen zu faszinieren. Empfehlung!

InsCissorSDestin

Tracklisting: 1. Destin [original Film Score] – iNsCissorS 2. Destin Remix – Hoarfrost 3. Destin Remix – H.E.R.R. 4. Destin Remix – Raison d’etre 5. Destin Remix – Inner Vision Laboratory 6. Destin Remix – Simon AA Kölle 7. Autumn Sonata – Silanus In Quieto Hortulo [First Version] 8. The Synopsis Of Pressure [Remastered Version]

VÖ: 2012 Label: No Angels Productions / Beast Of Prey

Genre: Neoklassik, Ambient  Format: CD

Share and Enjoy: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • del.icio.us
  • Alltagz
  • Google Bookmarks
  • Technorati
  • TwitThis
  • Tausendreporter
  • Wikio DE
  • YahooMyWeb

About MaGrAe