NeunWelten-Destrunken2009Über ein akustisches Schmankerl!

VÖ: 2009 Label: Auerbach Tonträger

Genre: Akustik, Folk, Klassik

Zeitgeist, eine Worthülse, die sich mit verschiedensten Inhalten füllen lässt und seit vielen Jahren von selbst ernannten Heiden genutzt wird, um ihren Einklang mit der Natur und die dadurch resultierende Abkehr von Kirche & Religion kundzutun. Diese vorherige Beschreibung trifft auch auf den ostdeutschen Fünfer Neun Welten aus Halle an der Saale zu, der drei Jahre nach seinem Debüt “Vergessene Pfade” mit dem neuen Langspieler “Destrunken” aufwartet, welcher verquasten akustischen Folk der Extraklasse offeriert.

Leider begehen auch Neun Welten auf “Destrunken” denselben Fehler wie andere Formationen dieses Metiers, weshalb die geneigte Hörergemeinde völlig abgedroschene Inhalte wie “Dämmerung”, “Tau”, “Der stille See” usw. vorgesetzt bekommt, die Tenhi, Forseti, Empyrium usw. unlängst verarbeiteten, welche hier eine pure Wiederholung ohne eigene kreative Leistung darstellen. Über diesen Fauxpas täuscht auch nicht die selbst erfundene Betitelung “Destrunken” hinweg, welche einen inhaltlichen Bruch zum Rest aufweist und irgendwie fremd in der Gesamtheit wirkt. Schade, gerade durch diesen “Punkt” können sich Bands profilieren/ auszeichnen bzw. von anderen Mitwerbern absetzen!

Musikalisch hingegen offenbaren Aline Deinert (Violine, Piano), Anja Hövelmann (Flöte, Klarinete, Gesang), David Zaubitzer (Cello, Gitarre), Marten Winter (Schlagzeug, Percussion) & Meinolf Müller (Gitarre, Gesang) hinter Neun Welten 10 Tondokumente voller Gefühl, Leidenschaft und Anmut, welche sich durch progressive Strukturen auszeichnen, die das Gesamtergebnis ein wenig sperrig wirken lassen, wodurch mehrere Hördurchgänge nötig sind, um das Erlebnis „Destrunken“ komplett zu erfassen. Im Gegensatz zur Mehrheit der Folkinterpreten steht bei Neun Welten die Musik im Vordergrund, welche nur durch vereinzelte Gesangs- bzw. Spracheinlagen Akzentuierung findet, die nicht nennenswert ins Gewicht fallen. Besonders mag die Vielseitigkeit der Kompositionen obwohl der begrenzten Möglichkeiten (Instrumente) gefallen, die dieser Arbeit viel Energie & Ausdruckskraft verleihen.

Neun Welten zelebrieren auf ihrem aktuellen Oeuvre “Destrunken” Handwerk auf höchstem Niveau, weshalb die explizite Benennung eines Anspieltipps entfällt und die Empfehlung zum kompletten Hördurchlauf ohne Pause erfolgt.

Fazit:

Neun Welten publizieren mit “Destrunken” ein akustisches Schmankerl, welches aus meiner Sicht über einen thematischen Schönheitsfehler verfügt, der den meisten Konsumenten völlig egal sein dürfte, weshalb allen Folkenthusiasten dieses Release ans Herz gelegt sei – meine absolute Empfehlung!

Hörbeispiele und weitere Informationen zu Neun Welten findet Ihr unter folgenden Links:

http://www.myspace.com/neunwelten
http://www.neunwelten.com
http://www.prophecy.cd/

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