VÖ: 2006 Label: Eternal Soul
Genre: Dark Ambient
Geht im Dark Ambient Sektor eine neue Sonne auf? Diese Frage, möchte ich mit einem klaren wie deutlichen “Ja” beantworten. Sicherlich ist es sehr schwierig (fast unmöglich) völlig neue Wege in diesem Genre zu beschreiten bzw. zu finden. Das Ein-Mann-Projekt “Phelios” von Martin Stürtzer, hat sich in das Haifischbecken dieser musikalischen Szene gewagt und wird in Fachkreisen schon als “der neue Stern am Himmel” gelobt.
Über die Namensgebung “Phelios” haben, der damalige zweite Chefredakteur Michael vom FL ( Mein Dank gilt Dir, für die sachkundige Unterstützung!) und ich lange philosophiert. Mit unserem Endergebnis können wir völlig falsch liegen, aber ist ein Versuch der Sache näherungsweise auf die Spur zu kommen. Mathematische Ableitungen sind im Gegensatz zu Wortspielen eine sehr einfache Sache. Uns scheint, dass das Wort “Phelios” eine Eigenkreation von Martin Stürtzer ist, eine Verknüpfung aus den griechischen Wörtern “Freund (Phi)” und “griechischer Sonnengott (Helios)” – das Endprodukt wäre dann folglich: “Freund der Sonne” oder “Sonnenfreund”. Ich denke mit dieser Deutung liegen wir nicht schlecht.
Diese CD “Images and Spheres” wird auf dem Berliner Label Eternal Soul erscheinen bzw. ist erschienen, was in der letzten Zeit ausschließlich sehr interessante bzw. sehr gute Veröffentlichungen ans Tageslicht gefördert hat. Ich denke Volker Neumann hat mit diesem Release sein gutes Gespür für herausragende Tonkunst bewiesen und sollte den eingeschlagenen Weg mit seiner Manufaktur so weiter fortsetzen.
Thematisch schließt sich der Wuppertaler Soundtüftler mit seiner Debütveröffentlichung “Images And Spheres”, dem Großteil der schon auf dem Markt erhältlichen Projekte an. Die Namensgebung der Stücke erinnert doch sehr stark, an Künstler des Labels Cold Meat Industry und an das Ausnahmeprojekt Vinterriket. Die vertonten Themen sind Zerstörung, Tod und Gesellschaftskritik, aber was will Martin Stürtzer auch machen, die meisten Themengebiete sind schon komplett von anderen lenkenden bzw. denkenden Köpfen ausgetrampelt worden, sicherlich gibt es auch neue Wege zu beschreiten, aber das kann ja auch auf dem nächsten Release angegangen werden.
Musikalisch liegt mir hier ein absolutes Meisterwerk vor, was den Vergleich mit Szenegrößen nicht scheuen muß. Der Sound lässt keine Wünsche offen, es wird von wunderbarer Atmosphäre bis hin zu rituellen Elementen alles für den gehobenen Höranspruch geboten. Zwei Stücke dieser CD möchte ich Euch zum besseren Verständnis ein wenig genauer vorstellen. Der Opener “Before The Creation” überzeugt durch seine dunklen und gleichzeitig sehr atmosphärischen Soundcapes, die Strukturen sind sehr melodiös gehalten und bleiben der Hörerin bzw. dem Hörer im Ohr haften. Das Tondokument “You Cannot See The Dragon Eyes” ist vom Grundtenor wesentlich ritueller ausgefallen, welcher sich besonders durch die verwendeten Samples auszeichnet, die an schamanische Trommelschläge erinnern. Wer auf sehr abwechslungsreichen Dark Ambient steht, sollte sich diese CD unbedingt zulegen. Den letzten Feinschliff hat Axel Frank von Werkraum diesem Release gegeben, als er die Songs in den Blue Lounge Studios in Berlin überarbeitete.
Fazit:
Für einen Newcomer ein sehr beachtliches Werk, welches nicht den Vergleich mit unzähligen Projekten des schwedischen Cold Meat Industry Labels scheuen muß. Dieses Release ist bestimmt nicht sehr innovativ geraten, aber dafür vom Hörgenuss ein Meisterwerk geworden. Wir können nur hoffen, dass diese CD keine Eintagsfliege ist und wir von Martin Stürtzer weitere Veröffentlichungen erwarten dürfen.
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