RAPOON – Time-Loop Anomalies

Disappeared Redux” war als RAPOONs erste Veröffentlichung über Zoharum Records mehr als gefällig – da schiebt das Label direkt noch eine weitere CD des Briten Robin Storey nach, um den Hunger nach mehr zu stillen: “Time-Loop Anomalies” genannt, ebenfalls mehr eine Zusammenstellung denn ein geschlossenes Ganzes.

Laut Eigenbeschreibung stellt genau dieses aber das Konzept der Veröffentlichung dar – die elf hier vertretenen Stücke sind mehr kreative Ansätze, Skizzen, Testobjekte, die im Laufe der Zeit entstanden und von denen aus sich das Projekt dann jeweils weiterentwickelte; einige davon blieben dabei qualitativ aber so hochklassig, dass diese jetzt in einer Zusammenstellung nochmals ihre Aufmerksamkeit finden sollen. Im Grunde erzählt jedes Stück seine eigene Kurzgeschichte, die hier nebeneinander mehr den Prozess der Ideenfindung in den Mittelpunkt rücken, als die Einzelkomposition.

Daraus folgt dann auch logischerweise eine große Bandbreite und wenig Stringenz in der Wahl der Stil- & Ausdrucksmittel, vielmehr zeigt sich der Künstler ähnlich wie auch “Disappeared Redux” als absolut heterogen und äußerst wandelbar – was auf “Time-Loop Anomalies” auch auf maximaler Spielzeit ausgebaut wird. Es beginnt bei doomigem Jazz samt Bläsern und entspanntem Bass, entwickelt sich zu organisch-heller Meditationsmusik auf Xylophon-Basis, gefolgt von Liveaufnahmen, die eher in Richtung Noise & Field Recordings zu verorten sind, bewegt sich in Ritualrichtung, dann zu vollkommener Abstraktion in Sistrenatus-Stil. Tanzbar, krachend, ruhig-atmosphärisch, ritualistische Beats, Frauengesänge, gesampelte, distant erscheinende Stimmen, orientalische Soundscapes – all das steht hier nebeneinander; einen inhaltlichen wie stilistischen roten Faden sucht man hier vergebens, dafür erschlägt einen die geballte Qualität jeder einzelnen Komposition.

So bleibt dies letztendlich einzige Schwäche: die fehlende erkennbare Stringenz der Stücke. Davon abgesehen aber weiß auch dieses Oeuvre jederzeit zu überzeugen, ist in seiner Vielfältigkeit schlicht umwerfend und zeugt abermals von RAPOONs musikalischer Klasse; jedes der Stücke eine kleine Welt für sich, in die man für einige wenige Minuten abtauchen kann. Und auch, wenn jeder Track seinen Charme besitzt, sticht für mich vor allem ‘Of course there are aliens’ heraus, das mit seinem dumpfen Beats, ätherischen Gesängen ruhig-dunkler Stimmung perfekt meinen Geschmack trifft – herrlich!

Fazit:

Wem “Disappeared Redux” gefiel, der wird mit “Time-Loop Anomalies” ebenso seine helle Freude haben. Auch wenn der rote Faden eher zwischen den Tracks zu suchen ist – jede einzelne Komposition weiß durch hochwertige musikalische Qualität zu überzeugen, insgesamt beeindruckt die schiere Wandelbarkeit von RAPOON. Kopfkino par excellence!

RAPOON – Time-Loop Anomalies

Tracklisting: 1. Sputnik Remix 2. Earthbound And Emotional (From Carmen… Early Mixes Plus Eva Vocals: Treated) 3. Hybrid Identities 1 (Radioactive Mixes Hands Held High OCCUPY) 4. Hybrid Identities 2 (Radioactive Mixes… Rain Plus Eva Vocals: Treated) 5. (Memories Of) Holidays At The Sea 6. Of Course There Are Aliens (In This World Early Untempo Mix) 7. Synchronic (Out Of) 8. Pig Drum Ritual (Live Remix) 9. Carmen 2 Remix Hybrid 10. Rapoon Solo Carmen 11. One Year Out End

VÖ: 2012 Label: Zoharum Records

Genre: Ambient  Format: CD

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