SICHELSTEIN – SICHELSTEIN

Laut eigenen Angaben existiert SICHELSTEIN bereits seit 2005, jedoch brachte man erst im Jahr 2011 das erste Lebenszeichen des Tschechischen Ein-Mann-Projektes in Form einer auf 50 Stück limitierten EP über Valse Sinistre unter die Hörerschaft – mindestens ein zweifelhaftes Vergnügen.

SICHELSTEIN betonen im Promo-Schreiben den starken Einfluss von Alkohol & Zigaretten beim Prozess der Aufnahme, dazu Themen wie “Suicide, Misanthropy and Hopelessness“; das Ganze ist dann in der Stilrichtung Black Metal plus Rock’n'Roll zu verorten. Wem da nicht sofort die in der Auflösung befindlichen Lifelover in den Sinn schießen, der hat die letzten sechs Jahre anscheinend verschlafen.

So sind es eben diese, die hörbar den deutlichsten Einfluss auf SICHELSTEIN innehaben – die Gitarre säuselt flächig-sägend und sehr simpel rockig in “Pulver”-Manier durchs Feld, die Stimmung ist dualistisch positiv & tragisch, manchmal schleichen sich effektbeladene Leads dazu, oftmals wahnhaft verzerrtes Schreien, man bewegt sich vorrangig im rockigen Midtempo, tackernde E-Drums und leicht psychedelische Keys – so weit, so gehört. Einzig der Titel ‘Böser Traum‘ driftet dann in der Tat ein wenig in old-schoolige Black Metal-Gefilde ab, und erinnert zumindest mich etwas an Stillhet, damals, im Jahre 2004.

Dabei macht SICHELSTEIN seine Sache mal knapp über Durchschnitt erträglich, dies sei vor allem der manchmal obskur wirkenden Stimmung anzurechnen (‘Lebewohl’), mal fällt das Projekt deutlich unter den Durchschnitt (absoluter Tiefpunkt: ‘Ich sehe’), vor allem was Aufnahme, Authentizität und eben Identität angeht. Ich bin stets Fan von authentisch dokumentierten menschlichen Abgründen – dies bleibt bei all ihrer Popularität auch Lifelovers größte Stärke -, wozu es auch keinerlei technischer Finesse bedarf (siehe Todesstoß), hier jedoch fühlt man sich manchmal zu sehr in den Grenzen der zu stark ausgewrungenen depressiven Stilmittel gefangen; zudem scheint ein Spannungsbogen rein gar nicht existent, was den Hörgenuss ab ein paar Durchläufen zu einem reinen Plätschern macht – schade.

Fazit:

SICHELSTEIN bewegen sich ganz klar in einem stilistischen Rahmen, den Lifelover vor 6 Jahren schon absteckten. Fans der Schweden könnten durchaus bei Sichelstein reinhören; wem es aber, auch in der depressiven Sparte, vor allem nach Authentizität und Eigenheit oder aber technischer Finesse verlangt, der wird mit SICHELSTEIN nicht glücklich.

SICHELSTEIN – SICHELSTEIN

Tracklisting: 1. Sichelstein kommt! 2. Das Leben 3. Bösen Traum 4. Ich sehe 5. Lebewohl

VÖ: 2011 Label: Valse Sinistre

Genre: Depressive Rock, Black Metal    Format: CD

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