Die drei Franzosen von Sigma Octantis kamen mir zuvor noch nicht unter, obschon man unter diesem Banner bereits seit 2000 seine Kreise im postindustriellen Untergrund zieht. “Disséminations” (“Streuung”) heißt der letzte Teil der bandeigenen Trilogie, der dieser Tage via OPN Veröffentlichung findet.
Kennt man die vorherigen Arbeiten der Gruppe nicht, kann man sich unvoreingenommen auf das Werk einlassen – und dies überzeugt mich auf dem Fuße. Sigma Octantis, deren frühe Tage anscheinend in noch aggressiveren Industrial-Gefilden lagen, haben mit “Disséminations” ein durchgängig instrumentales, ruhig-atmosphärisches, dabei aber schwer einzuschätzendes Oeuvre erschaffen, das beim gitarresken Ambient-Hörer sofort ins Herz trifft. Parallel dazu bedient man sich einer surrealen Bildwelt und benutzt in der Gestaltung ebenso einen Auszug des “Zweiten surrealistischen Manifests” – damit sollte schon ungefähr klar sein, dass man “Disséminations” nicht auf dieser Erde verorten sollte.
Die Musik der Herren zu kategorisieren, fällt dabei erwartungsgemäß gar nicht so leicht – was für mich immer als gutes Zeichen gilt. Die stets weit klingenden Saiteninstrumente ließen sich ohne Probleme im Postrock verorten, dazu gesellen sich diverse Electronica, die von deutlich wahrnehmbaren Beats und Loops über industrielle Aufnahmen bis zu Dark Ambient-nahen Soundflächen alles bereithalten. Als Akzent wird ab und an blechern hallendes bis warm und organisch trommelndes Schlagzeug gesetzt, welches dem Soundkonstrukt immer wieder etwas orienttalische Lebendigkeit einhaucht. Dass der Gesang hier schlicht nicht existiert, fällt dabei kaum auf, bieten doch die Instrumente mehr als genug Tiefe, auch ohne Stimmeinsatz.
Als besonders spannend stellen sich nach einigen Durchläufen die feinen atmosphärischen Nuancen heraus, die auf unterschiedliche Art den Stücken zu einer eigenen Stimmung verhelfen; seien es hallende, dem Herzrhythmus ähnelnden Beats, fein-sägende Hochtonspuren oder fast schon Black Metal-haftes Riffing im Hintergrund – stets gibt es für das Ohr einiges zu entdecken, was in dieser Mischung auch keinesfalls alltäglich ist. Den Industrial-Touch des experimentellen Ansatzes haben sich die Herren beileibe behalten, ebenso aber transportieren sie das Tongut auch ins Jetzt, verquicken es mit verschiedenen wie vielschichtigen Elementen und einem durchgehend eigenen Stilgerüst, das die Gedanken perfekt hinwegträgt; irgendwo zwischen einem psychedelischen Trip und verlassenen Ruinen liegt “Disséminations“, das zwar immer als Ganzes gehört werden sollte; trotzdem aber sticht für mich ‘A Place where the Earth touches Heaven’ ein Stück weit durch seine eindringliche, dabei melancholische, wunderschöne Stimmung, die vor allem der Gitarre zu verdanken ist, heraus – Wahnsinn!
Fazit:
Interessenten an musikalisch eigenen Grenzgängern sei Sigma Octantis’ “Disséminations” wärmstens empfohlen. Musik, die viel Tiefe, musikalische Diversität, dabei aber unheimlich dichte Atmosphäre miteinander verbindet und daraus etwas vollkommen Eigenes schafft – ich bin begeistert!
Sigma Octantis – Disséminations
Tracklisting: 01. Télescope Totem 02. Lents Cataclysmes 03. Neurotopia 04. Mémoires De L’Oubli 05. A Place Where The Earth Touches Heaven 06. Pimprenelle Pearl Habor 07. Le Bleu Du Ciel, Une Dernière Fois 08. Une Etincelle A La Parade Des Lueurs Mortes
VÖ: 2012 Label: OPN
Genre: Postrock, Ambient, Electronica Format: CD















