Auf der Suche nach der guten alten Zeit…
VÖ: 2011 Label: Voldsom Musikk
Genre: Ambient Format: Tape
Anachronismus – dieses Wort geistert dem geneigten Hörer zwangsläufig beim Hören von Til Det Bergens Skyggene‘s erster Demo durch den Kopf. Zu erörtern gilt es nur, ob diese “Verwechslung der Zeit” denn sympathischer oder obsoleter Natur ist.
Zwar wird der Hörer beim Bandnamen und Liedtiteln wie ‘Min tid har kommet…‘ oder ‘Skog, natt og stjerner‘ erstmal ein wenig auf die falsche Fährte geführt und gemahnt ein schwarzmetallenes Projekt vor sich zu haben – das stimmt de facto nicht, geht aber trotz allem nicht ganz an der Essenz der auf 100 Exemplare limitierten Kassette vorbei. Lord Vranevorn, der Mann hinter Til Det Bergens Skyggene, sowie dem Label Voldsom Musikk selbst, beschreibt das Tonband nämlich mit “nostalgische[r] Keyboard-Musik analog jener, die sich bereits in den 1990er Jahren aufseiten des Black Metal, respektive dessen Protagonisten, etablieren konnte.”
Grundlegend stimmt das: die leiernde Lo-Fi-Produktion, die ja heute gewissermaßen niemand mehr nötig hat, bzw. kaum noch aufgrund real begrenzter Mittel erzeugt wird, wird hier als überdeutlicher Fingerzeig Richtung Anfang der 90er, Richtung Black Metal der zweiten Welle und Richtung Norwegen benutzt. Jedoch rein synthetischer Natur: auf dem Demo gibt es rund 35 Minuten sphärisch-knarzige Keyboardarrangements zu hören, bei denen natürlich Burzum übergroß Pate steht. Diese entwickeln sich in den zu einem guten Teil überlangen Stücken, jedoch bleibt ein Höhepunkt oder Ausbruch stets Fehlanzeige. In dem wabernden und leicht kratzigen Verläufen finden sich dumpf-hintergründige Rhythmusfragmente, am deutlichsten kommen diese im bereits erwähnten ‘Skog, natt og stjerner’ zum Tragen, welches auch durch seine rudimentär an eine Gitarre erinnernden Klänge an Charakter gewinnt und zeitgleich den Höhepunkt des Demos darstellt.
Und genau da liegt dann auch der Knackpunkt von Til Det Bergens Skyggene’s Demo: ich als geneigter Hörer weiß nicht so recht, was mir das Demo nun sagen soll, was der Charakter hinter dem Werk ist. Nach 35 Minuten Keyboardsounds ist mir schlicht nicht klar, welche Stimmung, welches Gefühl in mir erzeugt werden will. Zugute halten muss man dem Demo zwar, dass nach mehrmaligem Konsum durchaus eine retrograde Atmosphäre einsetzt, die durch die naiv wirkenden Arrangements noch verstärkt wird. Jedoch, möchte man hier als durchaus beobachtend-kontemporärer Black Metal- oder aber Ambient-Hörer den Diskurs um den Sinn einer solchen Veröffentlichung aufmachen, wird es schwer. Denn so schön gepflegter Anachronismus auch ist, muss doch entweder diese Huldigung der Vergangenheit mit einer Idee angereichert sein, die es so noch nicht gab, die Interesse erzeugt und damit dem Werk zu einer Verbindung zum Jetzt verhilft, oder aber es sollte schlicht atmosphärisch so dicht, charakterlich so stark sein, dass man über die allzu deutliche Verbindung hinweg hört und den Namen im Gedächtnis behält – so oder so muss das Werk einfach mitreißen. Wenn beides ausbleibt – das tut es hier für mich leider – , dann greift man doch einfach zu den Originalen.
Fazit:
Die Idee des Wiederaufgreifens von 90er Ambient-Veröffentlichung aus dem BM-Umfeld ist sichtlich keine schlechte Idee (man denke an Draumar, die damit durchaus punkten konnten), jedoch denke ich, dass vor allem das Genre Ambient / Dark Ambient in den folgenden 10 Jahren einen derartigen Sprung gemacht hat, dass solche Veröffentlichungen meist schnell überholt, ja vielmehr naiv-kindlich als ernsthaft und bedacht wirken. Nichtsdestoweniger: das gesteckte Ziel, an die gute alte Zeit (als die Kirchen noch brannten und Black Metal noch aus Norwegen kam) zu erinnern, erreicht Til Det Bergens Skyggene nach einiger Eingewöhnung. Nur für Hörer mit dem speziell gelagerten Interesse am Thema einen Testlauf wert, für alle anderen dürfte es wohl ziemlich uninteressant sein.















