Experimentierfreudig oder stumpfsinnig?
VÖ: 2007 Label: UMB
An Tonal Y Nagual aus dem schönen konservativen Bayern scheiden sich seit ihrem Auftauchen an der Oberfläche die Geschmäcker, weshalb in Foren und auf privater Ebene zum Teil hitzige Diskussionen über sie entbrennen! Die Künstler bzw. Irren (Bitte wahlweise einsetzen bzw. ankreuzen – Danke!) hinter Tonal Y Nagual Mad Moses, Giuseppe Tonal und Tikki Nagual “wirbeln” ansonsten noch bei Jägerblut, The Musickwreckers & UMBkolletif mit. Vor diesem Debütwerk “The Unseen Deserts” (2007) erschien im Jahre 2006 eine EP, welche mir bisher nicht zu Ohren kam, weshalb meine Tonal Y Nagual Exkursionen mit diesem Oeuvre und einigen Samplerbeiträgen einsetzen bzw. beginnen.
Das Ablegen von Tonal Y Nagual in eine “Genreschublade” (sofern man dies möchte), gelingt ausschließlich nur über die Suche musikalischer Verwandter, die mit Sicherheit im Old School Industrial (Bitte keine Verwechslung mit dem neumodischem Kram, der gerade die Tanzflächen der Gothicpaläste füllt!) ihre Heimat und Wurzeln haben. Im Besonderen die legendären Coil (England) und die Solopfade (1962 – 2004) von John Balance dürften näherungsweise den zu vernehmenden Sound von Tonal Y Nagual treffen. Einige Damen und Herren würden Tonal Y Nagual bestimmt in die Noiseecke abschieben, aber dafür weisen sie zu viel Rhythmik und zu klare Strukturen (Melodieführung) innerhalb ihrer einzelnen Tondokumente auf. Die Protagonisten offerieren auf “The Unseen Deserts” keinen klanglichen Bombast sondern überzeugen durchgängig mit feinem Minimalismus. Im Endeffekt besteht “The Unseen Deserts” aus maschinell erzeugten Konstruktionen (Eine Melange aus Industrial, Drum And Bass, Elektro usw.), einfachen Gitarrenarrangements, Blechgebläse und verzerrten Gesangsparts. Diejenigen, die sich für experimentierfreudige Oeuvres begeistern können und der stampfsinnigen Normalität entfliehen möchten, bekommen mit Tracks auf “The Unseen Deserts” ein Schmankerl an die Hand. Aus diesem Opus einen wirklich Anspieltipp herauszukristallisieren zu wollen, käme der Suche einer Stecknadel im Heuhaufen gleich, deshalb am Besten die CD in einem Hördurchgang ohne jegliches “Spulen” genießen.
Inhaltlich präsentiert “The Unseen Deserts” ein Spiegelbild der momentanen modernen Gesellschaft, die bestimmt nicht nur den Machern hinter Tonal Y Nagual missfällt. Diese dargebotene Einstellung vermischen sie mit einer großen Portion Ironie, weshalb Tonal Y Nagual leicht abgedreht, aber sehr sympathisch rüberkommen. Hier ein Auszug aus dem Text zu ‘Skeleton People’, der deutlich ihre Gedankengänge zutage fördern:
[...]
Summer in the city
Madness drives around
In a car without wheels
And cracking bones make sound
Summer in the city
People all around
The heat is killing me
I’m nearly falling down
and skeleton people…
Individuen, welche mit viel Humor durchs Leben wandeln, müssen Tonal Y Nagual unbedingt mal antesten. Hingegen “Scheuklappenträger”, welche ausschließlich festgezurrte Musiktypen konsumieren, können die “Combo” von ihrer Einkaufsliste streichen!
Fazit:
Fernab von Mehrheitspfaden bewegen sich Tonal Y Nagual auf ihren minimalistischen Ausflügen, die im Besonderen Persönlichkeiten beglücken dürften, die “open-minded” durchs Leben stolzieren. Bei Tonal Y Nagual trifft definitiv der Satz zu: “Entweder Du liebst sie oder hasst sie!” – zu freigeistig erscheint “The Unseen Deserts”, das zwar oberflächlich im Old School Industrial ankert, aber untergründig viele Facetten bzw. Richtung ausstrahlt.
Hörbeispiele zu Tonal Y Nagual finden Sie unter folgendem Link:















