Über die Verführung der Massen!

VÖ: 2008 Label: Eternal Soul

Genre: Martial Industrial, Dark Ambient, Klassik

Aus einem Relikt dunkler vergangener Tage in Deutschland, dem Volksempfänger, ertönen die ersten Signale von “Muse In Arms”, dem neuen Werk von Triarii aus Berlin, welches am 01.Dezember 2008 das Licht der Welt auf Eternal Soul erblickt. Nach den beiden hervorragenden Vorgängern “Ars Militaria” (2005) und “Piece Heroique” (2006), die römische Geschichte mit Bezugnahme auf die heutige Gegenwart darboten, offeriert Triarii nach zwei Jahren Wartezeit mit “Muse In Arms” einen weiteren glorreichen Siegeszug, der einige Mehrdeutigkeiten nicht offensichtlich aber deutlich zutage fördert, die für Aufsehen sorgen könnten, falls sie aus dem falschen Blickwinkel Betrachtung bzw. Interpretierung finden.

Um den Tonträger “Muse In Arms” von Triarii letztendlich wirklich zu ergründen, bedarf es aus meiner Sicht folgenden Kontextes: Musik muss provozieren, schockieren, zum Nachdenken anregen, Fragen aufwerfen, in den Bann ziehen, Leidenschaft versprühen, Anmut ausstrahlen und Freigeistigkeit fördern, um das Prädikat bzw. die Auszeichnung “hochwertvolle Kunst” zu erlangen. Hingegen politische Ansichten (egal ob links oder rechts) darf sie nicht suggerieren, ansonsten verliert sie den Begriff Kunst und läuft unter Werbung für die jeweilige Politik.

Unter diesem vorherig beschriebenen Aspekt offeriert Triarii auf “Muse In Arms” Inhalte die auf römische Diktatoren, den Idioten aus Braunau in Österreich und weit gedacht auf jedes (vergangene wie aktuelle) Militärregime passen. Um meine aufgestellte These zu untermauern, ein paar Erläuterungen anhand von Tracktiteln auf “Muse In Arms”:

‘Birth Of Sun’ – Alle Machthaber hielten bzw. halten sich von Gott (der Sonne) eingesetzt, um ein Volk zu führen. Sie hatten die Eingebung alle Geschicke zu lenken und setzen dies auf verschiedenste Art und Weise um.

‘Europa’ – Aus Europa kommen die Diktatoren (römische Kaiser, Napoleon, Hitler), welchen aus geschichtlichem Interesse die meiste Bedeutung zukommt.

‘Fatalist’ – Alle Führer, aber im Besonderen Adolf Hitler wollte seine Weltanschauung einem Volk bzw. der ganzen Welt aufdrücken – egal mit welchen Mitteln.

‘Legio I Martia’ – Um Macht bzw. Stärke vor der eigenen Bevölkerung zu demonstrieren, fanden bzw. finden unter Anwesendheit großer Menschenmengen militärische Aufmärsche mit bombastische Ausmaßen statt.

‘The Final Legion’ – Irgendwann rückt das Ende jeder Diktatur nahe, welches die Herrscher nicht sehen bzw. erkennen wollen, weshalb sie versuchen mit ihren letzten verbliebenen Truppen ihr Regentschaft zu sichern.

‘Wir kommen wieder’ – Menschen lassen sich (leider) schnell und oft manipulieren, weshalb weiterhin die Gefahr besteht, dass neue Diktatoren zur Machtergreifung blasen.
Triarii präsentiert mit “Muse In Arms” eine geschichtliche Aufarbeitung der Extraklasse, welche geschlossen wie gut strukturiert der Konsumentenschaft entgegen kommt – eine sehr feine Leistung, die gerade Geschichtsfans faszinieren dürfte.

Um der ganzen Sache am “Ende” noch die Krone aufzusetzen, ereilt die Käuferschaft ein Statement innerhalb des Booklets von Triarii, welches den Tatbestand der Provokation völlig erfüllt:

Muse In Arms Is Dedicated To All Narrow Minded People
To All Those, Who Are Afraid Of Asking Questions
And Those, Who Are Even More Afraid Of Receiving Answers
Art Is Never Only Left Or Right
Nor Is It Only Black Or White
Life Is Not That Simple

Die so genannte Fraktion der Gutmenschen wird jetzt definitiv wieder laut aufschreien, weil Ihnen Triarii mit dieser getätigten Aussage den Spiegel vors Gesicht hält, in dem sie erkennen müssen, dass ihr blinder Aktionismus echte Kultur zerstört bzw. verhindert. Eine Betrachtung von “Muse In Arms” durch die politische “Brille” würde das Hörergebnis bzw. Hörerlebnis verfälschen bzw. in eine nicht gewollte Richtung lenken – “Muse In Arms” stellt lediglich eine geschichtliche Aufarbeitung dar, die in keinster Weise die Schreckensherrschaften von Diktatoren verherrlicht, sondern ausschließlich gnadenlos darüber berichtet bzw. aufklärt. Diejenigen, die bei “Muse In Arms” von Triarii Politik ins Spiel bringen, werden den wahren Geist dieses Opus nie erkennen – Faktum!

Musikalisch offenbart “Muse In Arms” die “gleiche” Verführung (bloß durch Klänge), welche Diktatoren nutzen, um das Volk auf ihre Seite zu bringen. Sie zauberten opulente bzw. bombastische Materialien (Fahnen, Uniformen, Denkmäler, Veranstaltungen usw.) um eine Stimmung zu erzeugen, Triarii schafft dies nur eine martialische Melange aus Industrial, Dark Ambient und Klassik, die von ersten bis zur letzten Sekunde vollends in den Bann zieht. Alle Kompositionen auf “Muse In Arms” schwingen zwischen betörender Schwere (wie sie einst Richard Wagner (1813 – 1883) vermittelte), hypnotischer Atmosphäre (die nur so vor Erhabenheit und Himmlischkeit strotzt) und fulminanten Militarismus (militärische Instrumentierung (Trompeten, Schlagwerke usw.), weshalb sich der geneigte Hörerkreis in eine Welt gezogen fühlt, wo Deutschland die schlimmsten Stunden seiner Geschichte erlebte oder Rom seine Zeit von Blüte bis zum vorhersehbaren Untergang durchmachte. Triarii konzipierte auf “Muse In Arms” vielschichtige Passagen, die beim Hören Wörter wie Gefahren, Bedrohungen, Stärke, Macht, Unterdrückung, Willen, Kampfgeist, bedingungsloser Liebe bzw. Zuneigung, Hingabe, Pathos und Verlustangst vor Augen führen. Purer Wahnsinn, über welche Ausdruckskraft die Tondokumente auf “Muse In Arms” von Triarii verfügen, absolut kein Vergleich zu den vorher erschienen Arbeiten. Diese durchschlagenden bzw. total einnehmenden Songs auf “Muse In Arms” erstellte der Denker & Lenker hinter Triarii Christian Erdmann im Alleingang, unter Mithilfe bei den Aufnahmen von Axel Frank (Werkraum) und dem abschließenden Mastering durch Jouni Havukainen (In Slaughter Natives). Für die Tracks ‘Europa’ und ‘Ode To The Sun’ setzte der Protagonist seine Stimme in Szene, welche durch Dunkelheit und Eindringlichkeit besticht.

Aus dem Album “Muse In Arms” einen Anspieltipp herauszusezieren, käme einer Zerstörung der Einheit gleich, wodurch dieses in sich geschlossene Meisterwerk auszeichnet.

Fazit:

Die Massen rannten großen Diktatoren hinterher, die sie verführten und ins Unheil katapultierten, genau dieses Phänomen beleuchtet bzw. erarbeitete Christian Erdmann mit seinem Projekt Triarii auf “Muse In Arms”. Aus dem richtigen “Licht” betrachtet, erschuf der Künstler ein musikalisches Mahnmal, welches aufzeigen soll, wie leicht sich Menschen beeinflussen bzw. einfangen lassen. Individuen, die Zeit wie Muse haben sich ausführlich mit “Muse In Arms” auseinanderzusetzen, erleben mit dieser CD ein inhaltliches wie musikalisches Highlight, das in ungeahnt Dimensionen beim Konsum vorstößt – absolute Kaufempfehlung!

Marcel Reich Ranicki sagte einmal den Satz: “Wer schreibt, provoziert!”, auf Triarii trifft zu: “Wer musiziert, provoziert!”.

Hörbeispiele und weitere Informationen zu Triarii findet Ihr unter folgenden Links:

http://www.myspace.com/triariiheadquarters
http://www.triarii.de
http://www.eternal-soul.de

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