Ein schnörkeliger Ameseour-Schriftzug, die Archive sagen “Post”, man stellt sich drauf ein – und wird dann trotzdem umgeworfen. Denn irgendwie damit rechnen, was einem vor allem im ersten Stück hier entgegenschlägt, konnte man dann doch nicht. Wenn es eine Band bis dato schaffen würde, am Thron von Urfaust zu kratzen: ‘Wolves Eating The Sun‘ wäre das Stück dazu. Aber von vorn.
VOWELS sind eine italienische Truppe, die im Grunde in der Tradition momentan stark blühender Vertreter der Post-Black-Metal-Bewegung steht, wie sie gern in den USA zelebriert wird, namentlich vor allem Projekte wie Caina (“Hands that Pluck”), Locrian oder The Austrasian Goat mit einem Schuss Schrammeln der Weaver-Brüder, welche allesamt ihren eigenen naturalistisch-okkulten Trieben nachgehen. Das Cover verhalten, dunkel, surreal, die Stimmung enfaltet sich atmosphärisch und warm, das Instrumentarium entweder verwaschen oder neoklassisch bis ritualistisch; Grenzen setzt man sich zu Gute der Atmosphärenbildung keine, Frauengesang findet sich neben Spoken Word und Ambient, dominantes Bassspiel, Folk, Blast und ruhiges Bildermalen – durch alles scheint ein gebrochen-naturbelassener Schleier.
“Hooves, Leaves & The Death / As December Nightingales“, das bemerkt man bereits nach wenigen Durchläufen, ist dabei nicht in einem Guss entstanden, sondern “Hooves, Leaves & The Death” fand bereits zuvor als EP Veröffentlichung, “As December Nightingales” wurde erst später konzipiert und eingespielt. So unterscheiden sich die Stücke doch stark voneinander – vor allem das 12-minütige Eröffnungsstück ‘Wolves Eating The Sun‘ steht auf Albumlänge völlig allein da, spielt es doch stark mit BM-Elementen, wohingegen die restlichen Kompositionen eher im Folk bis Klassik anzusiedeln sind; Highlight bleibt aber ganz klar die Eröffnung.
Diese startet derart fulminant das Album, dass dem geneigten Hörer das Herz aufgeht: eine schreddernde Postrock/Drone-Passage leitet das Tondokument ein, bis es sich langsam zu einem rasenden, leidenschaftlichen Stück emporhebt, welches schließlich auf seinem Höhepunkt von aus der Tiefe in den Raum schallenden Urfaust’schem Leid in der Stimme flankiert wird – absoluter Wahnsinn! Die folgenden Tracks sprechen dann eine ganz andere Sprache – ruhig und fast karg finden sich in ihnen nur selten kraftvolle Momente; so schwarzmetallen wie im ersten Stück wird es nie wieder. Stattdessen bleibt es ambiental-ruhig, Klavier, dunkle Streicher, raunender Gesang, flirrende Synths – leichte Psychedelik können die Herren hier nicht verneinen; wer Freude an der folkigen Seite von The Austrasian Goat hat, sollte dem in jedem Fall ein Ohr leihen. Diese Stücke klingen dabei vor allem in ihrer Gesamtheit gehört sehr entspannend, durch den Einsatz von Bläsern und viel Variabilität wissen auch diese den Hörer zu befangen; im direkten Vergleich stehen sie dem ersten Stück in Sachen Intensität jedoch nach, was hier das noch einzige Manko darstellt.
Fazit:
VOWELS sind für mich eine sehr erfreuliche Überraschung. Spannende, eigen agierende Musik, die zwar deutlich im Zeitgeist liegt, trotzdem aber in ihrer Wirkung fasziniert. Allein für das erste Stück lohnt sich der Kauf schon – insgesamt wirkt das gesamte Werk jedoch umso mehr, mit verschroben mystischer Atmosphäre, eigenwilligem Instrumentarium und einem ausgewogenen Schuss ritualistischer Stimmung. Einziges Manko ist noch der etwas zerfahren wirkende Gesamtaufbau. Ich bin sehr auf die folgenden Werke gespannt!
VOWELS – Hooves, Leaves & the Death / As December Nightingales
Tracklisting: 01. Wolves Eating the Sun 02. Not Unlike a Falling Leaf 03. Vespri 04. At Night 05. Wake
VÖ: 2012 Label: Sun & Moon Records
Genre: Black Metal Format: CD















