Vor allem im Black Metal ist das Prinzip der Wiederveröffentlichung bis ins Letzte ausgereizt, zu oft wird uninteressanter, uralter Stoff auf CDs gepresst, der schon anno ’92 niemanden interessiert hätte – die Skepsis bleibt also unvermeidlich. In seltenen Fällen jedoch ergeben diese Bemühungen sogar Sinn, wie man am Beispiel von WANDERERs Debüt “Bypassing The Abyss” recht gut nachvollziehen kann.
Denn eigentlich wurde das Album der Ukrainer bereits im Jahr 2004 über das kurz darauf geschlossene russische Label Magick Art unter dem Titel “Passing The Abyss” veröffentlicht – bis es überhaupt dazu kam, hatte man anscheinend mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen (die auf der Label-Homepage ausführlich erläutert werden) – schlimmste Panne war wohl aber eine beschädigte Master-CD, die schließlich zu einer fehlerhaften Veröffentlichung führte, die zusammen mit der Auflösung des Labels das Schicksal von WANDERER im Grunde besiegelte; im Jahr 2012 nimmt sich nun aber Dunkelheit Produktionen einer Wiederveröffentlichung des Albums an, samt neuem Mastering & schick gestaltetem Digi-Pak und ermöglicht dem Album damit eine zweite Chance.
“Bypassing The Abyss” widmet sich dem Bandkonzept nach in bester Black Metal-Manier der Natur, benutzt diesen als Vehikel für gepflegte Ablehnung der Moderne und propagiert auf dem im Booklet abgedruckten “Manifesto” wie auch in den Texten die Achtung der Natur und die Darstellung des Menschen als Missbalance in der Harmonie der Erde – soweit, so bekannt, so streitbar. Diese Inhalte transportiert das Duo mit rauem, abwechslungsreichem Black Metal, der zuweilen angenehm grob und stürmisch erscheint, sich trotzdem einem atmosphärischen Anstrich ab und an nicht verwehren kann.
Größtes Markenzeichen der Band stellen dabei die oftmals gelungenen, eher flächig laufenden Gitarrenriffs in Verbindung mit der sehr abwechslungsreichen Stimmarbeit von Sänger A. Raven dar, der an eine nicht ganz so kranke Version Ariochs erinnert, was zumindest mir über gesamte Spielzeit sehr zusagt. Sämtliche Stücke spielen mit latent melancholischer, oftmals bedrohlicher Stimmung, sind abwechslungsreich, dabei nicht elaboriert-verkopft, mit zahlreichen Tempowechseln und Rhythmusvariationen aufgebaut, was einige Durchläufe erfordert, um die Stücke im Ohr zu behalten. Zwischen nordischer Raserei und punkigem Midtempo findet sich alles, eine Prise Death Metal ebenfalls; zur Untermalung gibt es vereinzelt Synths zu hören, die jedoch nie dominant missfallen. Am besten gefallen WANDERER stets dann, wenn sie genau diese Variationen etwas zurückschrauben um den rasenden Gitarren und den herrlich heulenden Stimmeinlagen Raum zu geben, wie beispielsweise im herrlich heftigen ‘The Otherworld’, das für mich zusammen mit dem Einstieg ‘Disappearing Into The Mist’ die Highlights darstellen. Ein wenig aus der Reihe fällt dagegen das zweiminütige ‘In The Swamps Pool’, in dem dann nochmals richtiggehend ausgerastet wird – was jedoch trotzdem einen gelungenen Abschluss für ein rundum gelungenes Album darstellt.
Fazit:
Dunkelheit Produktionen haben mit dieser Veröffentlichung Geschmack bewiesen und ermöglichen mit der Wiederveröffentlichung von WANDERERs “Bypassing The Abyss” den verspäteten Genuss eines sich zwar nicht durch Innovation überschlagenden Albums, trotzdem aber eines kleinen Juwels der ukrainischen Szene, das durch urwüchsigen, dabei nie stumpfen Black Metal überzeugt und der Schwarzmetall-Anhängern definitiv munden sollte!
WANDERER – Bypassing The Abyss
Tracklisting: 01. Intro 02. Disappearing In The Mist 03. The Shadow Of Destiny 04. Bypassing The Abyss 05. Sacrifice To The Ritual Fire 06. Burial Angel 07. The Otherworld 08. In The Swamps Pool
VÖ: 2012 Label: Dunkelheit Produktionen
Genre: Black Metal Format: CD















