Winglord – Heroica

Winglord? “Heroica“? Eine Sieges-Insignie auf der Front? Die Gewohnheiten stellen sich also auf die nächste militant-martialische Scheibe voll Kriegsknattern, Schlachtengetrommel und verzerrt-zwielichtigen Reden ein  – doch manchmal ist man zu vorschnell. Winglord kann zwar  einige Berührungspunkte zur Martial-Szenerie nicht verneinen, diese aber in erster Linie inhaltlich; musikalisch setzt “Heroica” auf ein anderes Pferd.

Neo-Klassik ists, und zwar recht eingängiger Art: Winglord bauen mit den klassischen Mitteln von Klavier, Streichern, Flöten, Bläsern, Chören und selten vorkommenden Pauken & Beats mal mitreißend-stürmische Kompositionen, mal geradezu jugendlich tänzelnd, mal ruhig und besinnlich – immer aber von der Attitüde her vielseitig & romantisch anmutend. Den Großteil des Albums nehmen jedoch epische, großherzige, manchmal einfach herzlich schöne Kompositionen ein, die dem Titel mehr als gerecht werden. Dass alle Instrumente aus der Konserve stammen, fällt dabei nur am Anfang noch auf – jedoch verliert sich dieser Eindruck mit fortschreitender Dauer.

Der Ersteindruck überrascht also erstmal, vor allem durch die geradezu freche Eingängigkeit der Stücke, mit der man so nicht rechnet – technisch kann man dem Komponisten nur ein Lob aussprechen, denn alle Melodien, Harmonien & Motiven werden perfekt in Szene gesetzt und bleiben sofort im Kopf. Der laut Eigenbeschreibung erzielten Erzeugung eines Soundtracks für “epic drama of contemporary films and games” muss man vor allem mit der Betonung auf das letztere ohne Einwände zustimmen – nicht nur einmal dachte ich an moderne Blut & Helden-Storys, die sich ja heuer in Millionen-Auflagen verkaufen. Das vermag zu beeindrucken – bringt man denn eine Affinität zu derartigem Heroismus und letztlich auch inhaltlicher Einseitigkeit mit, von der ebenso die im Booklet abgedruckten Zitate ein Lied singen: “I do not regret this journey / we took risks, we knew we took them / things have to come out against us / therefore, we have no cause for complaint.” (R. F. Scott)

Denn, “The music of Winglord is the ultimate sound-track to the urgent efforts to restore the former glory of our nations.” mag ja ein löbliches Ziel sein, doch ich frage mich, wann diese Glorie wohl gewesen sein soll. Neben dieser inhaltlich vielleicht etwas kurzen Sicht bewegt sich sich auch die Musik von Winglord trotz aller ungelogen mitreißenden Wirkung durch ihre vordergründige Eingängigkeit immer haarscharf auf der Grenze zum Pop-Appeal, bei dem auch schonmal Yann Tiersen einen kleinen Besuch wagt, am stärksten wohl beim zweiten Stück ‘Hope & Glory’, das mit seinem lockeren Elektro-Beat geradezu nach einer Pop-Stimme schreit. Ebenso agiert das Tongut immer hart an der Grenze zum doch allzu verklärten Kitsch – die Wertung hier muss ein jeder selbst vornehmen, die Toleranzschwellen sind ja diesbezüglich unterschiedlich.

Fazit:

Zumindest mich hat Winglord deutlich überrascht. Der Skandinavier erschafft mit “Heroica” einen mitreißenden wie beeindruckenden neoklassischen Soundtrack, der technisch hochklassig & atmosphärisch durchweg episch-stimmungsvoll inszeniert auftritt. Wer auf solcherlei Pathos und Themen nicht gut zu sprechen ist, sollte einen Bogen machen – mich jedoch hat, trotz vorhandener Skepsis, “Heroica” dann einfach durch sich selbst überzeugt. Wie ein Eintauchen in eine schönere, edlere Welt – so wie ein Soundtrack sein sollte!

WinglordHeroica

Tracklisting: 1. Intraverunt Principes 2. Hope & Glory 3. Hird 4. For the Love of a Mother 5. Hammer Stone 6. Benighted 7. The Death of Aeneas 8. To Suffer Woes 9. Contemplum 10. Island of the Blessed

VÖ: 2012 Label: Arktos

Genre: Neo-Klassik Format: CD

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