Das Überraschungsmoment verhalf Winglords “Heroica” zu einem doch recht passablen, positiv im Gedächtnis bleibenden Eindruck – “The Chosen One” kann sich also nicht mehr darauf ausruhen, und muss zeigen, ob in Winglord das Potential zur Weiterentwicklung steckt.
Die Frage ist mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu beantworten: im Grundcharakter hat sich die Musik natürlich keinesfalls verändert, nach wie vor agiert der Schwede im Metier der Soundtrack-artigen Neoklassik, die unverändert rein synthetisch aus allem besteht, was das Orchester hergibt, sprich recht vernachlässigbarem Rhythmusgerüst, darauf aufgebauten Streichern, Klavier und Chorälen, diesmal noch durch etliche Stimmeinsätze erweitert. Nach wie vor baut er auf simple, dafür aber eingängige Melodielinien, die so stets Nähe zu leichter verdaulichem Ethno-Pop haben können.
Jedoch, und da liegt der Unterschied zu “Heroica”, wurde hier die Atmosphäre etwas zurückgeschraubt, die durchgängige Epik des Vorgängers scheint hier einer etwas leichteren Variante dessen gewichen, was dem Tongut nicht unbedingt zum Vorteil verhilft. Denn damit rückt der sehr einfache Charakter des Materials stärker in den Fokus – genau dadurch verliert er aber auch an mitreißender Wirkung. Erhalten bleibt aber die starke Score-Wirkung, die den durchgehenden Hörfluss manchmal ein wenig schwierig gestaltet, denn viele Stücke klingen wie das Intro zu etwas Größerem, nach einem Kraftsammeln für das große Finale – das jedoch im nächsten Stück nicht folgt, sondern schlicht vom nächsten Intro ersetzt wird.
Oder um es kurz zu machen – “The Chosen One” fehlt ein übergreifender, konzeptioneller Spannungsbogen, der das Material auf die nächste Ebene hebt. Denn das technische wie atmosphärisch-kompositorische Können erscheint ja hörbar vorhanden, ebenso die Fähigkeit, in einzelnen Stücken den Spannungsbogen bis aufs Äußerste aufzubauen – nur fehlt meist ab dieser Stelle die Befriedigung des Hörers. So bleibt “The Chosen One” letztendlich auf der Klasse seines Vorgängers stehen, ohne den Hörer vollends in die fiktive Geschichte (die abermals vom heiligen Europa und der Kampf, Sieg und Rettung des selbigen erzählt) hineinzieht.
Fazit:
Für sich genommen ist zwar auch “The Chosen One” eine atmosphärisch dichte Arbeit, in Anbetracht des Vorgängers fällt es aber stark ab. Weder tritt die Wirkung markant genug auf, noch werden die Komposition ergreifend genug, um auf Dauer zu begeistern – zudem schlägt hier das Pendel vermehrt zu stark in Richtung Kitsch aus – Schade.
Winglord – The Chosen One
Tracklisting: 1. The Flame 2. The Chosen One 3. The World Is Changing 4. Muster The Minions 5. Descend And Rise 6. A New Reign 7. Dance Of The Victorious 8. Hunting Party 9. Building The Ships 10. For Lord And Land 11. Fanfare For Europe
VÖ: 2012 Label: Arktos
Genre: Neo-Klassik Format: CD















