Einen beachtlichen Backkatalog hat der Pole hinter Zenial, Lukasz Szakankiewicz, vorzuweisen, das muss man ihm lassen – umtriebig reiste er mit seinen experimentellen Klanginstallationen schon rund um den Globus, war unter dessen bei unterschiedlichen Projekten wie Palsecam oder Abazu beteiligt, betreibt selbst auch noch das Label AudioTong; das war wohl auch der Grund, warum nun mit “Connection Reset By Peer” nach einer Stille von sechs Jahren erst ein neues Lebenszeichen von Zenial den Markt erblickt.
“Connection Reset By Peer” kann man dabei als Album sehen, mehr jedoch ist es eine Werkschau, eine Zusammenstellung von Dokumenten der umfassenden Arbeiten von Zenial aus den vergangenen Jahren, die hier entweder in Form von Aufnahmen einiger Auftritte oder mit anderen immer in Echtzeit improvisierten Stücken bewerkstelligt wird. Zudem findet sich auf der CD noch weiterhin ein experimentelles Video, um auch der visuellen Seite des Projektes ihren Platz zu geben.
Technisch bildet bei Zenial jeher das aktive Experimentieren mit Klangerzeugung den roten Faden der Werke; der Pole arbeitet vorrangig mit manipulierten Interferenzmustern, mit der Vertonung von elektrischen Wellen und Spannungen, mit Radiofeedbacks und mit magnetischer Resonanz, die gekonnt mit einer leichten Note Field Recordings versetzt werden, immer aber durch die zufällige und improvisierte Art etwas mit Glitch liebäugeln. “Connection Reset By Peer” meint damit verständlicherweise kein Album, dass man sich zur Entspannung auflegt, zumindest nicht im herkömmlichen Sinne – das gesamte Werk ist Soundanalyse avantgardistischer Färbung, die ganz klar auf einen abstraktions-affinen Hörerkreis abzielt, den die Große Masse aber kaum zu würdigen wissen wird.
Erwartungsgemäß speist sich das Tonfeld also aus pulsierenden, wellenartigen Drones einerseits, aus radikalen Hochtonfeedbacks am Rande des Hörbaren andererseits, Radiowellen die auf- und abschwellen und vereinzelt erkennbaren Stimmaufnahmen. Dabei, und hierin liegt die Klasse von Zenial, erreichen die einzelnen Aufnahmen stets eine starke Intensität, die zwischen dem Unangenehmen des Unhörbaren und der klanglichen Explorationslust hin- und her pendelt. Die Verarbeitung, die Auffassung von Klanganalyse aus sich selbst entwickelnden Automatismen heraus findet sich so ebenso im Video wieder, das der Künstler Radosław Deruba beisteuert und in welchem der erste Titel, eine Liveaufnahme vom Oktober 2011, visuell in Wellenmustern interpretiert wird, die analog zur Steigerung der Intensität mehr und mehr ausschlagen – schick, obschon der Start mit einem vor sich hinkriechenden Käfer etwas eigenartig anmutet.
Fazit:
“Connection Reset By Peer” bleibt ganz klar eine Veröffentlichung für einen kleinen Hörerkreis. Avantgardistische Soundskulpturen, die ihren Wert viel mehr aus dem eigentlichen Prozess ziehen, denn aus ihrem Produkt. Wem das Herz bei analytischem Hochton-Noise aufgeht, sei dieses Werk wärmstens empfohlen – wer in seiner Musik oder auch im Noise doch noch irgendwie Struktur braucht, streicht Zenial für sich.
Zenial – Connection Reset By Peer
Tracklisting: 01. Live In RadioAfera/Audiosfera (Jah_Mix: 10.21.2011) 02. Beksa_impresje_portrety (Lion Of Juda Mix) 03. Janek Data Overload 04. Live In Kraków (Audio Art Festival) Excerpt 05. Zenialism Remixed By Michel Banabila Video: Audiosfera (Jah_Mix)
VÖ: 2012 Label: Zoharum Records
Genre: Noise, Drone Format: CD












